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Die lautstarke Geschichte einer verfehlten Personalpolitik

Roland Emmerichs Film „White House Down“ hält, was der Titel verspricht und entwirft einen Barack Obama, wie er nicht geworden ist

„Hast du den Job?“ fragt Emily ihren Vater. „Sieht gar nicht schlecht aus.“ entgegnet John. Und er hat Recht, obgleich er lügt. „Man lügt Kinder nicht an“ mahnt ihn der Präsident leise , als Emily bei dem Rundgang im Weißen Haus stolz erzählt, ihr Vater arbeite für den Secret Service. Dabei, sie haben eben erst seine Bewerbung abgelehnt, der Afghanistan-Veteran hat das Studium geschmissen und als Polizist die Berichte immer sehr spät abgeliefert. Und Roland Emmerich liefert einen Bericht darüber, wie sich, mit etwas Glück, eine verfehlte Personalpolitik ignoranter Vorgesetzter korrigieren lässt.

Allerdings, dazu bedarf es einiger Voraussetzungen. So muss zum Beispiel ein US-Präsident den totalen Frieden im Nahen Osten einläuten, den iranischen Präsidenten treffen und sämtliche US-Militärbasen schließen. Also ein Mann, wie Barack Obama einer wäre, wäre er der geworden, der er zu werden versprach. Dann muss der militärisch-industrielle Komplex, der Präsident selbst nennt ihn so, seinen Profit gefährdet sehen und einen sehr komplexen Staatsstreich planen, in dessen Verlauf das Weiße Haus zum zweiten Mal in diesem Jahr („Olympus Has Fallen“) zerlegt wird und in dem zwei Präsidenten zwei Amtseide leisten. Und dann muss ein Mann kommen, der sich versteht auf das kompromisslose Zerlegen berühmter Bauwerke und der Welt überhaupt.

Der Deutsche Roland Emmerich ist ein sehr patriotischer Amerikaner in Hollywood. Daran kann sich stören wer mag, man kann aber auch, wie der Autor, der Meinung sein, ein Tom Clancy etwa vertrete ein extrem konservatives Weltbild und schreibe dennoch spannende Bücher. Zumal immer mal wieder der Irrtum umgeht, in Hollywood interessierten sich einflussreiche Leute für Ideologie. Einflussreiche Leute in Hollywood, deshalb sind sie es, interessieren sich dafür, wie man Geld verdient und Geld wird an der Kinokasse verdient. Auch deshalb ist es eine Albernheit, Emmerich das glückliche Ende seines Filmes vorzuwerfen. Denn auch mit seinem Entwurf des erhofften Barack Obama ist dies ein Unterhaltungsfilm.

Und deshalb hält Emmerich, was der Titel verspricht: „White House Down“ – dieses vermutlich berühmteste Haus der Welt wird tatsächlich niedergemacht. Auch von Panzern der amerikanischen Streitkräfte, auch beinahe von Bombern der US-Air Force und selbst John, der Held, zündelt höchstselbst, was den Bösewichtern nicht gefällt.

Roland Emmerich ist ein merkwürdiger Regisseur, ein Mann der Gegensätze. Seine Action-Szenen nutzen hemmungsfrei und ohne sonderlich überzeugende Ästhetik die finanziellen und technologischen Möglichkeiten der großen Studios. Da wird, ohne ästhetischen Ehrgeiz wie etwa bei John Woo, fröhlich geballert und gedröhnt, da gibt es immer noch eine Explosion mehr, da fällt immer mal wieder ein Gebäude, das Capitol zum Beispiel, in sich zusammen.

Und dann hat der Mann Witz. Da setzt der Präsident seine Brille auf, ehe er einen Terroristen erschießt; da beschwert sich ein Gäste-Führer dass die Gangster die Kunstschätze, diese Ming-Vase etwa ist ein Geschenk von Elisabeth II., nicht achten. Da erklärt dieser Führer den Besuchern, dass es den Kellergang, durch den JFK Marilyn gelotst haben soll, selbstverständlich gar nicht gibt – und dann lotst der amtierende Präsident, er heißt übrigens Sawyer, wenn auch nicht Tom, sich und seinen Retter durch eben diesen Gang. Und nicht ohne feinen Humor ist es, wenn Emmerich die Terroristen als Filmtechniker eindringen lässt, der Terror beginnt im Kinosaal des Weißen Hauses. Manchmal klaut Emmerich auch ein bisschen, der digitale Kopf der Terroristen ist eine schwache Kopie von Tommy Lee Jones aus „Alarmstufe Rot“.

Jamie Foxx, eben noch Tarantinos schwarzer Sklave Django, gibt hier den Präsidenten, der Barack Obama nicht geworden ist, und Channing Tatum spielt gleichsam Bruce Willis – nicht von ungefähr im Unterhemd. Denn die Konzentration auf einen Schauplatz, das Konzept einer gegen Alle lässt das ein wenig aussehen wie eine Variante von „Stirb langsam“ oder „Alarmstufe Rot“.

Das ist, wenn man es mag, ein durchaus unterhaltender, allerdings kaum wirklich spannender Film, in seinen Dialogen intelligenter als in der heftigen aber unambitionierten Action.

Und es ist wohl der erste Film, in dem die Air Force One mit einem Präsidenten an Bord tatsächlich abgeschossen wird. Das musste mal sein.

 

Henryk Goldberg, Thüringer Allgemeine

 

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