Die Datsche (Carsten Fiebeler)

Laientheater

„Die Datsche“, ein perfekt misslungener Film

Es ist nicht so, dass dieser Film so überhaupt keinen Sinn ergäbe: Er
beschreibt ein Problem. Allerdings nicht das seiner Figuren, sondern das des
Umfeldes, in dem er entstand. Denn er wurde gefördert von der
Mitteldeutschen Medienförderung, er wurde als wertvoll klassifiziert von der
Filmbewertungsstelle Wiesbaden. Was nur bedeuten kann, dass die Filmförderer
nicht lesen und die Filmbewerter nicht sehen können.

Dass der Regisseur seine eigene Geschichte nicht inszenieren kann scheint
konsequent, denn er hat den Stoff schon beim Schreiben nicht bewältigt. So
entsteht der Präzedenzfall eines perfekt misslungenen Filmes und einer dto.
Förderpolitik.

Der Film ist die Debütarbeit des Regisseurs und Autors Carsten Fiebeler. Nun
mag man ein Debüt eben als ein Debüt begreifen; Handwerk braucht Raum, sich
zu entwickeln und ein Regisseur kann, anders als ein Schriftsteller, nicht
in der Dachkammer trainieren, er benötigt den Apparat. Doch wenn der junge
Mann diesen Film ernst meint, dann wird er nie ein Regisseur: Weil er nicht
einen Hauch Empfinden hat für den Charakter eines Stoffs und die Bedürfnisse
von Schauspielern.

Elke und Arnold also, 1995. Er trägt einen Trainingsanzug mit der
aufgedruckten DDR, war daselbst Kaderleiter und mault nun mürrisch vor sich
hin in seinem Freizeitbunker. Ihr geht es besser, deshalb will sie die alte
Datsche endlich verkaufen. Doch ehe der Makler kommt, kommen zwei
Einbrecher, fesseln, erschießen zwischendrin irgendwo jemanden und
verschaffen schließlich auch dem Makler einen letalen Geschäftsabschluss.
Elke bekommt eine Sehnsucht, so küsst sie einen der Gangster und legt ihren
Mann schließlich zu dem Makler in die Grube. Dann geht sie und zwar in die
Zukunft.

Der Film erzählt nicht über Tristesse und Banalität, er ist beides in sich
selbst.

Als Inszenierung hat er nach zehn Minuten bereits verloren: So wie hier
Überfall, Fesselung und Befreiung, nebst zwei uniformierten Dorftrotteln
inszeniert sind, wie hier ein sprachliches und bildliches Versatzstück dem
anderen folgt, so sieht man das in keinem Laientheater, so hilflos, so
dilettantisch. Und so wird auch gedacht. Der Regisseur zeigt die
abstrusesten Vorgänge mit einem hochnotpeinlichen Naturalismus, weil er nie
weiß, was er eigentlich erzählen will, er hat nie eine erkennbare Haltung zu
seinen Figuren. So sind die Schauspieler, Catherine Fleming, Michael Kind,
sichtlich hilflos.

Ich kann den Scheiß nicht mehr hören sagt Uwe Kockisch einmal, und das ist
ein sehr erfahrener Schauspieler.

Autor: Henryk Goldberg

Text geschrieben  2003

Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine

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