Irak, China, Indonesien – und die USA. Das sind die Länder, in denen Adam Lang sich unbehelligt aufhalten darf. Zynischer kann man kaum sein. Dabei, als Roman Polanski diesen Film schrieb, da war er noch ein freier Mann.

Man kann diesen Film nicht sehen, ohne an Roman Polanski zu denken, so wenig wie man ihn sehen kann, ohne an Tony Blair zu denken. Der Thriller, den Polanski schrieb und inszenierte nach dem Bestseller „The Ghost“ von Robert Harris, meint den ehemaligen britischen Premierminister, seine rückhaltlose Unterstützung der USA, des Irak-Krieges. Tony Blair, der hier Adam Lang heißt, lebt in den USA im Exil, verfolgt vom Internationalen Gerichtshof wegen vermuteter Kriegsverbrechen. Ein Ghostwriter, ein Autor also, der im Namen eines anderen schreibt, soll Langs Memoiren marktfähig machen, der Vorgänger kam ums Leben.

Adam Lang lebt in einem komfortablen Haus am See, Leibwächter, Personal. Aber er lebt isoliert, in einer Festung. Lebt wie Roman Polanski in der Schweiz, lebt isoliert wie im Hausarrest. In diesem Hausarrest hat Polanski, dem noch immer die Auslieferung in die USA droht, die Postproduktion mitbestimmt – es wird ihm eine grimmige Freude gewesen sein.

Die Freude im Kino allerdings, was bei einem Thriller bedeutet: die Spannung, hält sich in wohltemperierten Grenzen. Es ließen sich gut 30 Minuten schneiden, ohne dass dem Film etwas fehlte. Gewiss, Polanski (Chinatown, Der Pianist) ist ein erstklassiger Regisseur, das sieht man in jeder Einstellung, indessen: Er hat zu wenig zu erzählen. Die erste halbe Stunde hat viel Atmosphäre – aber da die Story lang auf der Stelle tritt, sind diese Stimmungen gleichsam frei schwebend, sie werden erst später mit Spannung untersetzt, mit Erwartung auf Auflösung, auf Erklärung. Bis dahin sollen wir gespannt sein, aber wir wissen nicht: worauf.

Pierce Brosnan, als ehemaliger James Bond eine gewollt ironische Besetzung, genießt seine Rolle sichtlich, sein Dialog mit Langs Frau (Olivia Williams) ist erstklassig, sein Grinsen glänzend einstudiert – aber Spannung ist anders. Gediegenes Unterhaltungskino, mäßig spannend und ziemlich lang.

Autor: Henryk Goldberg

Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine, 19.02.2010


 

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