La Lisière – Am Waldrand (Géraldine Bajard)

Hurra – noch ein Film, der nicht alles ausbuchstabiert, der uns als Zuschauer ernst nimmt, der uns die Chance zu eigenen Deutungen lässt. Klar: Das ist keine Massenware zum schnellen Verbrauch. Hier sind Geduld, Aufmerksamkeit und Mitdenken angesagt.

Regie-Debütantin Géraldine Bajard aus Frankreich macht es einem nicht leicht. Sie lädt ein zur Betrachtung des Lebens eines jungen Arztes. Dieser Francois (Melvil Poupaud) ist grad mit dem Studium fertig und geht in die Provinz. Seine Ankunft ist ein Ereignis. Der kleine Ort gerät ins Schleudern. Die Mädchen und die jungen Frauen sind hingerissen von „dem Neuen“. Claire (Alice De Jode) insbesondere ist ganz hin und weg. Die jungen Männer des Dorfes sind natürlich sauer, Cedric (Phénix Brossard), der Anführer der Teenager vorneweg. Dabei will Francois gar nichts von den Schönen. Er hat nämlich eine Freundin. Und die (Audrey Marnay) kommt zu Besuch. Alles in Ordnung? Mitnichten. Plötzlich nämlich gibt es die Leiche eines kleinen Mädchens am Waldrand…

Was haben die Probleme der Ankunft des jungen Arztes und die Tote miteinander zu tun? Nicht allein diese Frage sorgt für Irritation. Das tut vor allem die Inszenierung. Die ausgefeilten Bilder von Kameramann Josée Deshaies sind noch das Anschmiegsamste. Ansonsten geht es kantig zu. Der Film schert sich keinen Deut um mögliche Publikumserwartungen. Man sollte sich davor hüten, den Film als Krimi anzugucken. Dann ist Enttäuschung programmiert. Das jedoch nicht, wenn man sich darauf einlässt, nach möglichen Assoziationen Ausschau zu halten, die weit über das Porträt einer „seltsamen“ dörflichen Gemeinschaft hinaus weisen. Dann kommt man in den Genuss, auf im besten Wortsinn „eigenwillige Weise“ Licht und Schatten der so genannten westlichen Welt erkunden zu können. Für einen Debüt-Spielfilm, der ohne große Thesen auskommt, der sich nicht ums Erklären kümmert, der keine Stars hat, um ein Massenpublikum anzulocken, ist das mehr als bemerkenswert!

Peter Claus

La Lisière – Am Waldrand, Géraldine Bajard (Frankreich/ Deutschland 2010)

Bilder: RealFiction

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