Nicht neu, aber, wenn gut gemacht, immer wieder verblüffend: die „Mockumentary“, eine Dokumentation, die keine wirkliche ist, sondern ein Fake. Gut gemacht in diesem Fall: Man weiß nicht, ob gefälscht oder nicht, ob Doku- oder nicht. Das ist amüsant. Regie-Debütant Casey Affleck, bisher als Schauspieler bekannt, folgt Freund und Schwager Joaquin Phoenix.

Phoenix hat 2008 beschlossen und verkündet, den Beruf des Schauspielers an den Nagel zu hängen und zukünftig als Rapper seine Brötchen zu verdienen. Casey Affleck dokumentiert angeblich, wie der Ex-Akteur den Weg zu neuem Ruhm beschreitet. Und schon ist klar: Hier ist jeder Moment zumindest insofern gestellt, weil Phoenix immer spielt. Und was spielt er? Keinen Aufstieg, sondern einen Abstieg. Und da wird es interessant. Die schnieken Hollywood-Bubis interessieren sich offenbar tatsächlich und sogar ernsthaft für die Schattenseiten des Show-Geschäfts. Sie entlarven dabei recht brutal die alle Kreativität verschlingende Gier nach Geld, Geld, Geld. Der Film zeigt schließlich sehr brutal, wie der Mensch Joaquin Phoenix dabei verkommt: Drogen, Nutten, Aggressionszustände. Nun wird es aber auch schwierig. Falls wirklich Doku, geht der Film zu weit, falls Fake, geht er nicht weit genug. Immerhin: Jede Menge Stoff zum Nachdenken ist garantiert!

Joaquin Phönix übrigens dreht wieder als Schauspieler. Er steht auf der Besetzungsliste des neuen Films von Paul Thomas Anderson („There Will Be Blood“).

Peter Claus

I’m Still Here, Casey Affleck (USA 2010)

Bilder: Koch Media

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