Simon Braund: Die besten Filme, die Sie nie sehen werden

Die unveröffentlichten Meisterwerke der Starregisseure – Ein bunter Blick in Hollywoods Projekthölle 

Die Filmgeschichte ist voll von Werken, die nicht erschienen sind. Das von Simon Braund herausgegebene Buch DIE BESTEN FILME, DIE SIE NIE SEHEN WERDEN weiht den Leser in faszinierende – und oftmals tieftraurige – Hintergründe ein, die dafür verantwortlich waren, dass vielversprechende Projekte das Licht der Leinwand nie erblickten.

Filme werden nicht fertiggestellt, sie werden entlassen bzw. veröffentlicht, sagte STAR WARS-Schöpfer George Lucas einmal. Jeder veröffentlichte Film, so schlecht er auch ist, ist ein kleines Wunder, an dem zig Leute Monate, oft Jahre, gegrübelt und gearbeitet haben. Selbst groß angefachte Filme von Meistern wie Steven Spielberg scheiterten im Projektstadium. Wie leicht man auf höchstem Niveau scheitern kann, wird hier anekdotenreich und unterhaltsam beschrieben.
Mit Detailwissen, Produktionsskizzen, historischen Bildern und neuen Illustrationen wirft das Filmbuch einen bunten,  informativen Blick in die „Entwicklungshölle“ von Filmen, in der Regisseure wie Tim Burton, Ridley Scott und Alfred Hitchcock schmorten. Ob David Lean, Terry Gilliam, Paul Verhoeven, Francis Ford Coppola und Darren Aronofsky – kaum ein Großer fehlt. Sergio Leones Traum seines Spektakels LENINGRAD (basierend auf Harrison Salisburys The 900 Days – The Siege of Leningrad) blieb bei der Eröffnungs-Idee in Form der bis dato längsten und teuersten Kamerafahrt aller Zeiten. Bei David O. Russells NAILED fehlt lediglich eine Szene, aber trotz seines Erfolges mit SILVER LINING ruht das Projekt des eigenwilligen Filmemachers, der sich einst am Set von THREE KINGS mit George Clooney schlug. Und Jerry Lewis‘ Holocaust-Komödie THE DAY THE CLOWN CRIED scheiterte neben Rechtsproblemen an der Angst vor der eigenen Courage, so dass sich Lewis weigerte den angeblich pathetischen Film zu veröffentlichen. (Lewis auf die Frage, ob der Film noch entlassen würde: „Das geht euch einen Scheißdreck an!“)
Kaum fassbar ist die Chronik des einen Tag vor Drehbeginn gestoppten OUTBREAK-Klons THE HOT ZONE, dessen Erfahrung für „Nicht-Regisseur“ Ridley Scott traumatisch war.
Selbst für hartgesottene Cineasten gibt es hier viele Informationen, die etwas Licht in die undurchsichtige Gerüchteküche über mögliche Film-Projekte bringen.

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Kubricks NAPOLEON-Pläne, durch deren Scheitern UHRWERK ORANGE entstand, sind erforscht, weniger vermutlich die Pläne zu GLADIATOR 2. Da im ersten Teil Russell Crowe als Held Maximus stirbt, schien eine Fortsetzung nur als Prequel schlüssig. Oder sein Tod hätte auch ein Traum sein können, nachdem Maximus quicklebendig wie einst Bobby Ewing in DALLAS unter der Dusche hervorkommt. Oder der Zuschauer hätte seinen Zwillingsbruder kennenlernen müssen. Nein, ganz anders: Balladen-Barde Nick Cave, der den genialen Western THE PROPORTION schrieb, verfasste ein Drehbuch, in dem Maximus im Jenseits die römischen Götter trifft. Die senden ihn zur Erde, um den abtrünnigen Gott Hephaestos zu töten, da er den Christengott predigt. Es kommt zu Gefechten in einer gefluteten Arena mit Schiffen und Alligatoren und großen Schlachten bis hinein in den Vietnamkrieg. Cave sah darin einen „Mega-Antikriegsfilm“, aber seinem Landsmann Russell Crowe und Regisseur Ridley Scott war es nicht geheuer und sie zahlten das Skript – Cave: „Ich hab so etwa zwei Wochen gebraucht. Aber erzählt das bloß nicht Russell Crowe.”
Geplanten Irrsinn hätte auch DUNE mit Salvador Dalí von EL TOPO-Regisseur Alejandro Jodorowsky bedeutet. Aber der 3-stündige-LSD-artige-Trip sollte nicht sein! Wenigstens „überlebten“ Design-Entwürfe von H.R. Giger in DUNE von David Lynch. Die neue Dokumentation JODOROWSKY’S DUNE geht dem Projekt weiter auf den Grund und lässt von dem Film träumen.
Ex-Empire-Redakteur Simon Braund hat mit seinen Co-Autoren wie dem großartigen Simon Croak 50 Titel unter die Lupe genommen und lässt sie lebendig werden. Über den Verlust vermutet er, dass es ohne bestimmte Projekte andere Filme nicht geschafft hätten – ohne Kubricks wie auch Chaplins Napoleon-Projekt kein UHRWERK ORANGE bzw. DER GROSSE DIKTATOR, mit Spielbergs „Night Skies“ kein E.T.! So hält sich das unterhaltsame Bedauern über die besten Filme, die Sie nie sehen werden zum Glück in Grenzen.

Wolf Jahnke

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Simon Braund: 

Die besten Filme, die Sie nie sehen werden

 

Verlag Edition Olms, 256 Seiten

29,95 EUR

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