Robert B. Parker: Die Tote im Paradise / Eiskalt

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Robert B. Parker

Ein Kerl mit Eiern

„Ich erfand Jesse Stone, um es mal mit einer Erzählung in der dritten Person zu versuchen, und zwar mit einer Figur, die in keiner Hinsicht fertig entwickelt war. Jesse hat ein Problem mit Alkohol und mit seiner Ex-Frau, Spenser ist komplett, Jesse ist ein ‚work in progress‘. Außerdem wollte ich über einen Cop und eine Kleinstadt-Polizei schreiben.“ Ein Cop, der trinkt – Klischee, ich hör dich trapsen. Und dann auch noch einer mit dem „Bad Blond Girl Disease“, direkt aus den von Robert B. Parker bewunderten Romanen Raymond Chandlers, etwa aus „Farewell, My Lovely“, wo es heißt: „It was a blonde. A blonde to make a bishop kick a hole in a stained-glass window.“ (Solch einer ‚damsel in distress‘ erweist gerade auch Benjamin Black / John Banville Tribut mit  „The Black-Eyed Blonde“.)
Allen Klischeeabgründen zum Trotz gehören die Jesse-Stone-Romane mit zum Besten aus dem Werk des am 18. Dezember 2010 über seiner Schreibmaschine hingesunkenen Robert Brown Parker. Nach Jahren, in denen er sich ein wenig in den Spenser-Romanen festgefahren hatte – 39 wurden es zwischen 1974 und 2011 –, wirken die Jesse-Stone-Romane wie ein Befreiungsschlag. „Heiliger Strohsack“ sagt man sich in ihnen als Leser immer wieder. Zehn Romane entstanden zwischen 1997 und 2011. Der Pendragon-Verlag aus Bielefeld hat sich an ihre verdienstvolle Werkausgabe gemacht. Im letzten Jahr erschienen „Das dunkle Paradies“ (Night Passage, 1997) und „Terror auf Stiles Island“ (Trouble in Paradise, 1998) –, nun sind die Bände drei und vier dran, „Die Tote in Paradise“ (Death in Paradise, 2001) und „Eiskalt“ (Stone Cold, 2003).
Nicht der wichtigste, aber bei Parker ein erfrischender Aspekt: Es wird ungeniert übers Vögeln geredet, und nicht nur das. Parkers Privatdetektiv Spenser geht all die Jahre einmal ein wenig fremd und wird von seiner Burgdame abgestraft. „Haben Sie gerade meiner Sekretärin in den Ausschnitt geschaut?“, lautete 1974 der allererste Satz, den die Psychologin Susan Silverman an Spenser richtete. In Otto Penzlers „The Lineup. The World’s Greatest Crime Writers Tell the Inside Story of Their Greatest Detectives“ (2009) lässt Parker  seinen Helden im Verbund auftreten: Susan hat Spenser überredet, einer Collegestudentin ein Interview zu geben und greift selbst ohne Bedenken ein, wenn ihr Kerl sich zu sehr bei einer Frage ziert.
Ich stelle mir vor, wie Parkers für ihre drastische Ausdrucksweise in ganz Boston gefürchtete und bewunderte Frau Joan, mit der er, obwohl mehr als 30 Jahre als Paar getrennt, zeitlebens unter einem Dach wohnte, eines Tages zu ihm sagte: „Geht dir dein politisch korrekter Scheiß nicht auf den Keks? Schreib doch mal über einen Kerl, der seine Eier nicht nur auf der Straße einsetzt, sondern auch im Bett.“

Alf Mayer

 

Robert B. Parker: Die Tote im Paradise (Death In Paradise 2001)Deutsch von Bernd Gockel

Bielefeld: Pendragon Verlag

310 Seiten

10,99 Euro

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Robert B. Parker: Eiskalt (Stone Cold 2003)Deutsch von Bernd Gockel

Bielefeld: Pendragon Verlag 2014

348 Seiten

10,99 Euro

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Bilder:  Robert Parker CC BY-Sa 2.0  Manchester (N.H.) Library www.flickr.com/photos/manchesterlibrary/4294103316/

 
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