Männerherzen (Simon Verhoeven)
von Ines Kappert in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik im Oktober 2010
Männer suchen ein Zuhause
Simon Verhoevens Film „Männerherzen“ richtet sich gegen Schwule und Frauen und erinnert in seiner altbackenen Machart verdächtig an den „Bewegten Mann“
Sie sind zwischen 30 und 40 Jahre alt, sie leben in Berlin und gehen dort mehr schlecht als recht ihrem Leben nach: Jerome, Niklas, Philip, Günther, Roland. Der hyperaggressive Knasti, der erfolgreiche Jungmanager, der ewige Student, der Bürokrat, der sexy Musikproduzent: so verschieden die fünf gestrickt sein mögen, zwei Dinge einen die Jungs im fortgeschrittenen Alter: das Fitness-Studio und die Suche nach einem Zuhause.
„Männerherzen“ von Simon Verhoeven ist eine deutsche Komödie. Es soll die oft erzählte Identitätskrise des westlichen Mannes möglichst lustig dargebracht werden, was im Fall von Günther (Christian Ulmen) sogar gelingt. Handwerklich ist der Film passabel. Das Schauspiel hat sich in der letzten Dekade professionalisiert, und die Dialoge sind meist nur belanglos oder reaktionär, aber nicht peinlich. Der Schnitt orientiert sich an Musikvideos und Vorabendserien wie Berlin, Berlin.
Bemerkenswert an dem Film sind seine Homophobie und seine Frauenfeindlichkeit. Die Schwulenfeindlichkeit bei „Männerherzen“ erinnert an diejenige aus „Der bewegte Mann“. Zum Rest des Beitrags »
ShareThe Social Network
von Matthias Dell in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 7. Oktober 2010

Frauen mögen dich nicht, sagt die Frau am Anfang zu Mark Zuckerberg, und zwar nicht weil du ein Nerd, sondern weil du ein Arschloch bist. Du bist kein Arschloch, sagt eine andere Frau am Ende zu Mark Zuckerberg, du kommst nur so rüber.
Zwischen diesen beiden divergierenden Persönlichkeitsprofilen erstreckt sich die Geschichte, die David Finchers Film The Social Network erzählt: Es ist, unverhüllt, die Geschichte von Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, dem derzeit führenden Portal unter den sozialen Netzwerken. Unerheblich ist, was wir für „die wahre Geschichte“ halten; ob Zuckerberg und Facebook gegen den Film vorgegangen sind; was Fincher, das Spiegelkabinettsmitglied der Illusionsfraktion Hollywood (Sieben, The Game, Fight Club) getrieben haben mag, ein relativ schlichtes Biopic zu drehen, bei dem die Wirkmächtigkeit der filmischen Narration nie bezweifelt wird.
Über jeden Zweifel erhaben scheint zu sein: Zuckerberg ist kein sympathischer Protagonist. Jesse Eisenberg spielt ihn mit einem aufreizend ignorant-lethargischen Unterkiefer, der emotionale Kälte illustriert – in der schnell geschnittenen Eingangsszene wirken Zuckerberg und seine Freundin Erica (Rooney Mara) an zwei Gesprächssträngen gleichzeitig, die vom Willen zum Erfolg, dem Streben nach Exklusivität sowie dem Status beider Beziehung handeln. Am Ende wissen wir, dass der Student in einen der begehrten Clubs in Harvard will. Und dass Erica die Beziehung beendet hat. Zum Rest des Beitrags »
ShareWie durch eine Sicherheitsschleuse
von Ingo Arend in Kolumnen & Blogs, Rundgang am 6. Oktober 2010
Cedric Bomfort: Das Amt
Künstlerhaus Bethanien, bis zum 20. Oktober 2010

Cedric Bomford: Das Amt Installation, Foto: Trevor Good
Eine Arbeit, wie sie nicht besser nach Berlin passen könnte: Ein Jahr lang hat der kanadische Künstler Cedric Bomfort hier übrig gelassene Bauhölzer gesammelt. Die Skulptur, die er daraus gebaut hat, erinnert an die experimentelle Architektur der Nachwendezeit, die die Künstler in Berlin zu paradigmatischen Pionieren des Provisoire hat werden lassen. Die „urbane Reflexion“, als die das Kunstwerk beschrieben wird, ist eine sachte Untertreibung. Denn der 1975 in Vancouver geborene Bodric, der in Schweden studiert hat und in Berlin und Vancouver lebt, ruft mit seiner Skulptur, die wie eine Sicherheitsschleuse passieren muss, wer vom vorderen Ausstellungsraum des neuen Domizils des Künstlerhauses Bethanien in die hinteren gelangen will, Zum Rest des Beitrags »
ShareVergebung
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 4. Oktober 2010
ab 4.Oktober auf DVD und Blu-ray
Mit dem irrigen Titel „Vergebung“ endet die Millennium-Trilogie
“Scheiße”, sagt die junge Frau, da hat sie erfahren, dass ihr Vater noch lebt. “Sie muss weg!”, sagt der alte Mann, da meint er seine Tochter. Die wurde beinahe getötet von dem blonden Monster, das ist ihr Bruder. Sie werden sich wieder sehen, und sie werden einander nicht vergeben
Gegen diesen Film ließe sich ziemlich vieles ziemlich berechtigt einwenden: Die Verschwörer, eine Gruppe innerhalb des schwedischen Geheimdienstes, sind lächerliche alte Männer. Die Guten vom Geheimdienst treffen sich an einem konspirativen Ort, den jeder Amateurfilmer so hätte ausstatten können. Die Gerichtsszene, die eigentliche Mitte des Filmes, ist schlicht über die Maßen. Es gibt weder Überraschungen in der Story noch in den Kombinationen. Die Figuren sind, mit einer Ausnahme, bieder bis langweilig. Und dennoch ist „Vergebung“ ein spannender Film, den sich gönnen sollte, wer sich zwei und eine halbe Stunde Unterhaltung gönnen will. Zum Rest des Beitrags »
ShareIm Schatten (Thomas Arslan)
von Jan Distelmeyer in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik im Oktober 2010
Aktionskino
Aus dem Kino zu kommen, begeistert zu sein und dann auf die Frage, worum es denn in dem Film gegangen sei, nur wenige und irgendwie unwichtige Sätze sagen zu können, ist ein gutes Zeichen. Weil ich dann einen Film gesehen habe, dem es wohl auf etwas anderes ankommt: Vielleicht auf eine Aufwertung des Wie gegenüber dem Was oder besser noch auf eine – das war die Hoffnung des berühmten Filmkritikers Andrew Sarris – sehr bewusste Vereinigung von Form und Inhalt. Das passiert in Thomas Arslans „Im Schatten“.
Als Trojan (Mišel Maticevic) aus dem Knast kommt und ihm sein Ex-Auftraggeber Bauer seinen Anteil nicht voll ausbezahlt, sondern ihm stattdessen zwei Schergen auf den Hals hetzt, muss Trojan sich anderweitig Geld beschaffen. Weil er auf Raubüberfälle spezialisiert ist und ihm eine alte Freundin, die Anwältin Dora (Karoline Eichhorn), einen guten Tipp gibt, überfällt er mit einem ehemaligen Kumpanen einen Geldtransport. Alles läuft gut. Es gibt nur zwei Probleme: Bauers Handlanger und der korrupte Polizist Meyer (Uwe Bohm), der Trojan jenseits aller Dienstwege auf den Versen ist.
Zwei merkwürdige Widersprüche strukturieren „Im Schatten“: Er wirkt dunkel, obwohl kaum Nachtszenen und nicht viele schlecht beleuchtete Innenaufnahmen vorkommen. Und er wirkt zügig, ohne Umschweife, eher rasant als langsam, obwohl hier lange bis sehr lange Einstellungen überwiegen, in denen wenig von dem passiert, was üblicherweise mit Action assoziiert ist. Was so montiert wird, sind Entscheidungen, Situationen und Aktionen, die, so scheint es, für den Fortgang dieser Gangstergeschichte einfach unverzichtbar sind. Alles, was hier durch Schnitte verbunden wird, ist elementar und darum spannend – wie das Gespräch, in dem Trojan seinen alten Kumpel Nico (Rainer Bock) zu seinem letzten Überfall überredet und beide an dem Tisch in Nicos Autowerkstatt sitzen. Ein kleiner Metallpfeiler trennt gut zwei Filmminuten lang die beiden von dem speckigen Kalender an der Wand, was einen schon daran zweifeln lassen könnte, dass die Sache Zukunft hat.
Gefüllt aber werden die langen Einstellungen nicht nur durch alles andere als aufdringlich komponierte Arrangements, sondern vor allem durch die, die hier handeln. „Im Schatten“ ist insofern ein veritabler Action-Film, als so ziemlich alles dadurch erzählt wird, was Menschen – allen voran Trojan – in ihrer Umgebung (nicht) tun. Da fügt es sich glücklich, dass das alle Charaktere perfekt besetzt sind. Mišel Maticevic dabei zu beobachten, wie er geht, plant, Coups wegen inkompetenter Komplizen ablehnt, andere Gangster k.o. schlägt und – ja, auch das – umlegt, ist faszinierend, weil es einer speziellen Ökonomie des Kinos verpflichtet ist. „Im Schatten“ scheint nicht nur von der Kenntnis vieler Gangsterfilme und Western getragen, sondern auch von dem Wissen, dass Kino Bewegung ist. In diesem Fall bedeutet Film, Trojan bei der Arbeit zuzusehen.
Die verrichtet er in einem merkwürdig unbehausten Berlin, das hier zur Unkenntlichkeit unbestimmt ist. Auch im touristischen Sinne verweigert dieser Film seinen Figuren ein Zuhause, so wie alle Wohnungen und Shoppingmalls hier etwas Unbelebtes und Austauschbares haben, die überregionale Piefigkeit aber doch irgendwie Deutschland sagt. In diesen gezielt gesucht und gebauten Nicht-Orten leben Menschen, die sich durch Aktionen artikulieren und, nicht weniger, durch ihre Kleidung. Die Kompakt- und Geschlossenheit dieses Films, der Eindruck, dass hier alles wie aus einem Guss ist, kommt auch von den Kostümen, für die – wie bei nahezu allen Filmen von Arslan, Christian Petzold und Angela Schanelec – Annette Guther gesorgt hat, die als eine tragende Säule der gefeierten „Berliner Schule“ noch nicht ausreichend gewürdigt ist. In „Im Schatten“ trägt der konzentrierte, so komplett professionell in sich ruhende Trojan zwei schwarze Jacken, bei denen man nicht sagen kann, wo die Kleidung aufhört und der Körper anfängt.
Musik gibt es keine. Oder doch: Es gibt einen Soundtrack von Straßengeräuschen, jenen Klängen, die immer irgendeine sichtbare Bewegung zum Ursprung haben. Das ist eine passende Musik, denn außerdem ist „Im Schatten“ ein Film über das Autofahren.
Text: Jan Distelmeyer
zuerst erschienen in epd
Bild: “Im Schatten” Peripher (Filmagentinnen)
ShareShahada
von Ines Kappert in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 3. Oktober 2010
Schwanger, schwul und gläubig
Burhan Qurbanis Debütfilm inszeniert die inneren Konflikte von drei jungen Muslimen.
Alle, die schon immer gewusst haben, dass Muslime ganz andere und natürlich auch ganz eigenartige Wesen sind, dürften ihre Freude an dem Debütfilm von Burhan Qurbanis haben. “Shahada” zeigt drei junge Berliner Nichtchristen in verschiedenen Problemlagen: Maryam hat gerade illegal abgetrieben, Samir kämpft gegen sein Schwulsein an, Ismail, der Polizist, gerät in Solidaritätskonflikte, wenn er Illegale hops nimmt. Und dann wäre da auch noch der Imam, um dessen Gemeinde herum die Geschichten von Schuld und Besinnung gruppiert werden – und dem es so gar nicht gelingt, den jungen Leuten bei ihren Identitätskonflikten zu helfen. Zum Rest des Beitrags »
ShareElmgreen & Dragset
von Ingo Arend in Kolumnen & Blogs, Rundgang am 1. Oktober 2010
Die Zukunft der Wohlfahrt
Das Berliner Künstlerduo Elmgreen&Dragset bereitet seine “Celebrity”-Schau in Karlsruhe vor
Death of a collector – Tod eines Sammlers. So hieß der mit Sicherheit spektakulärste Beitrag auf der letzten Venedig-Biennale im Sommer 2009. Das dänisch-norwegische Künstlerduo Elmgreen&Dragset hatte dort eine einzigartige Installation in Szene gesetzt. Den dänischen und den nordischen Pavillon hatten die beiden zur Residenz eines betuchten Industriellen umgebaut, der sein ganzes Geld in Kunst angelegt hatte und nach dem Börsenkrach pleite gegangen war. Das Anwesen wurde von einer fiktiven Immobilienfirma namens Vigilante Real Estate zum Kauf angeboten. Die Leiche des Sammlers schwamm in dem Pool vor dem Pavillon. Eine ebenso böse wie gelungene Satire auf den Kunstmarkt und –betrieb.
Man muss unwillkürlich an die – sogar ausgezeichnete – Collectors-Arbeit denken, wenn man das „Anwesen“ der beiden Künstler in Berlin betritt. Seit gut einem Jahr arbeitet das Duo nämlich in einem neuen Atelier. Zum Rest des Beitrags »
ShareJud Süß – Film ohne Gewissen
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 25. September 2010
Die Frau steht am dunklen Fenster, am Himmel die Bomber. „Nimm mich Jude“ fordert sie von dem Mann hinter ihr. Es geschieht. Es ist die beste Szene dieses Filmes – und sie beschreibt, warum er scheitert.
Jud Süss war der perfideste Film der nationalsozialistischen Propaganda und er war es, weil alle Beteiligten einen, wie man so sagt, erstklassigen Job machten. Keine primitive Propaganda, sondern eine antisemitische Hetzorgie auf hohem künstlerischen Niveau. Diese Kunst war tatsächlich Waffe, das war ihr Zweck und sie hat ihn erfüllt, besser als jeder andere Film. Der Regisseur Veit Harlan wurde nach dem Krieg rehabilitiert, den prominenten Schauspieler wenig nachgetragen. Nur Ferdinand Marian, der Darsteller des Süß Oppenheimer bleibt gleichsam der ewige Jude der Filmgeschichte, denn er gab dieser Gestalt sein Gesicht und sein Talent. Dass er 1946 bei einem Autounfall ums Leben kam, trug wohl dazu bei, die Erinnerung an ihn auf dem damaligen Stand einzufrieren. Zum Rest des Beitrags »
ShareJud Süß – Film ohne Gewissen
von Georg Seeßlen in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 23. September 2010
Oskar Roehler ist ein Filmemacher, der etwas riskiert. Das geht, gelegentlich, in Zonen von Intimität und Peinlichkeit, aber immer weiß man, dass etwas auf dem Spiel steht beim Filmemachen, dass es Bilder gibt, die man nicht absichern und nicht zurücknehmen kann. Auf den ersten Blick überrascht, dass „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ eine fast schon konventionelle Spielfilm-Dramaturgie aufweist, ins Schauspieler- und Ausstattungskino lockt, Geschichte in psychologischem Realismus, Melodram und in geordneten Syntagmen auflöst, wie es andere tun; auf das, worauf der Film wirklich hinaus will, kommt man erst, wenn man auch diese Oberfläche als Teil eines komplizierteren und nun eben doch: riskanten Spiegel-Spiels zwischen Film, Geschichte und Psyche akzeptiert. Es geht um die Mitschuld der (Film)-Kunst im Nationalsozialismus und darum, wie sie erzeugt wurde. Zum Rest des Beitrags »
Die wundersamen Kräfte der Kulturindustrie
von Ingo Arend in Kolumnen & Blogs, Rundgang am 16. September 2010
Die Chinesin Chen Yang lebt und arbeitet in Berlin. In ihrem WiE-Institut zeigt sie Kunst aus Ost und West. Wenn sie nicht gerade chinesischen Beamten die Vorzüge des deutschen Kulturföderalismus schildert oder erklärt, was Kulturmanagement ist
Ein Glashaus mit drei Wänden, darauf die bunten Umrisse orthodoxer Kirchen. Diese Installation von Haralampi Oroschakoff hing bis vor kurzem in einem unscheinbaren Bürohaus in Berlin-Mitte. Zum Rest des Beitrags »
Tom Tykwer („Wir sehnen uns im Kino vor allem nach einer bestimmten narrativen Kraft …“)
von Daniela Kloock in Kino: Vergangenheit+Zukunft, Kolumnen & Blogs am 8. September 2010

Tom Tykwers neuer Film „Drei“ feiert am Freitag seine Weltpremiere im Wettbewerb der 67. Internationalen Filmfestspiele Venedig. (Bild © Tom Tykwer)
Tom Tykwer im Gespräch mit Daniela Kloock
Worin besteht die Faszinationskraft des Kinos? und damit: worin liegt seine Zukunft?
Letztlich ist es doch so, wir sehnen uns im Kino vor allem anderen nach einer bestimmten narrativen Kraft. Nach einer bestimmten Form von Auseinandersetzung, die oszilliert zwischen Überwältigungsstrategie und Aufforderung zum Tanz. Und das ist das, was ich im Kino suche, als Zuschauer. Und das ändert sich nicht dadurch, dass das Bild digitalisiert wird. Ich will narrative Kontexte entschlüsseln, ich will von narrativen Konzepten beeindruckt werden oder inspiriert werden. Zum Rest des Beitrags »
ShareDie Zukunft ist 3-D
von Georg Seeßlen in Kino: Vergangenheit+Zukunft, Kolumnen & Blogs am 30. August 2010
Propheten einer neuen Bilderwelt
Die Entwicklung der 3-D-Technik im Kino scheint unaufhaltsam – einher geht eine radikale Veränderung des Sehens und des Abbildens
Seit etlichen Jahren nun schon wird das Kino von einer neuen Technologie herausgefordert, dem dreidimensionalen oder stereoskopischen Film. Das kennen wir schon, sagen die Filmhistoriker und verweisen auf frühere “Wellen”, in denen die Kinos verlorengegangenen Publikumszuspruch mit einem “Raumkino” zurückerobern wollten, und die dann wieder abebbten, als das Publikum es leid war, sich durch unkleidsame Brillen mit Indianerspeeren bewerfen oder in geöffnete Haifisch-Schlünde ziehen zu lassen.
Doch etwas ist diesmal anders: Der stereoskopische Film scheint sich zu etablieren, Zum Rest des Beitrags »
ShareDer Stoff jauchzt auf
von Wenzel Storch in Im Labyrinth des GR, Kolumnen & Blogs im August 2010
Wo Tag und Nacht die Triebwerke heulen:
1. Teil einer Pilgerreise in die wunderbare Welt des Würzburger Prälaten Berthold Lutz
Der Ehrentitel Katholik, der schönste, den es in menschlicher Sprache gibt.
Paul Claudel
Es brummen Honigbienchen
Es hüpfen die Kaninchen …
Bill Ramsey: Auf der bunten Hollywoodschaukel
„Es gibt eine Nähe zwischen den Plätzen, wo man betet, und denen, wo man kopuliert“, stellte Peter Hacks 1988 in Linke Arbeiter fest. Daß kirchliche Anlagen „Stätten der Ergießung“ seien, wird heute niemand, der ein Zeitungsblatt auseinanderfalten kann, mehr bezweifeln (genausowenig, daß es Kommissar Higgins 1967 mitnichten gelungen sein kann, dem Mönch mit der Peitsche das Handwerk zu legen). Höchste Eisenbahn, an das Werk eines Würdenträgers zu erinnern, dessen Thema „das Schönste“ und „Allerfeinste“ war – und der als größter Sexualmystiker deutscher Zunge gelten dürfte, hätte ihn die eigene Zunft, und mit ihr die Welt, nicht längst vergessen. Zum Rest des Beitrags »
ShareDas letzte Schweigen
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 28. August 2010
Nach 23 Jahren geschieht es wieder: Ein Mädchen, ein Kind, wird ermordet. Wieder an jener Stelle im Kornfeld. Der Mord ist die Botschaft eines Mannes an einen anderen. Und der Film von Baran Bo Odar ist auch in sich eine Botschaft.
In diesem Film gibt es eine Szene, die, recht betrachtet, Mut erfordert. Mut, sie zu zeigen, Mut, sie zu verstehen. Ein Mann sieht einen Film, einen pornografischen Film um ein kindliches Mädchen. Der Mann, wir sehen es, kämpft gegen seine Faszination, er wehrt sich, wir sehen auch das, mit seinem Willen gegen seine Geilheit. Dann rennt er aus dem Zimmer, flüchtet vor dem eigenen Trieb, der eigenen Vergangenheit. Vor sich.
Pädophilie ist ein hoch sensibles Thema und sein vielleicht sensibelster Aspekt wurde selten so in einem massenwirksamen Medium vorgeführt: Die Neigung zur Pädophilie ist so wenig eine Wahl der Betroffenen wie Homosexualität, wie jede sexuelle Orientierung. Nur, dass von dem Pädophilen verlangt werden muss, was die Gesellschaft lange von Homosexuellen verlangte: Diesen Trieb zu unterdrücken, zu bekämpfen. Und die Akzeptanz von Pädophilie, ist anders als die der Homosexualität, keine Frage der künftigen gesellschaftlichen Entwicklung, sie kann und darf es nicht sein. Zum Rest des Beitrags »
ShareWanderkinos – Nostalgie oder Mehrwert?
von Daniela Kloock in Kino: Vergangenheit+Zukunft, Kolumnen & Blogs am 28. August 2010
„Kinofreie“ Regionen gibt es viele auf der Welt, auch hierzulande. Allein 2009 mußten bei uns 170 Lichtspieltheater schließen. Doch nicht nur die Kinos in der Provinz und die Programm- und Arthouse Kinos, die keiner kapitalstarken Kinokette angehören, stehen unter Druck, sondern zunehmend auch Häuser in großen Städten. Hohe Mieten der häufig attraktiv gelegenen Immobilien und steigende Ausgaben für neue digitale Techniken machen den Kinos ebenso zu schaffen wie demografische Veränderungen.
ShareDas letzte Schweigen
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 24. August 2010
Beim Internationalen Filmfestival von Locarno Anfang August wurde der deutsche Thriller „Das letzte Schweigen“ vor rund achttausend Zuschauern bei einer der abendlichen Freiluftaufführungen auf der Piazza Grande des malerischen Urlaubsparadieses am Lago Maggiore gezeigt. Der Erfolg war beachtlich.
Ein bisschen albern war in Locarno, dass die Festivalverantwortlichen meinten, sensible Zuschauer vorab auf den Plakaten vor möglicherweise schockierenden Szenen warnen zu müssen. Klar: Wie jeder Krimi, verursacht auch dieser gelegentlich ein Schaudern. Das wird doch aber wohl auch erwartet. Vordergründig inszenierte Brutalität jedoch gibt es keine. Die Warnung war also doppelt überflüssig. Baran bo Odar, der Autor des Drehbuches und Regisseur, erfreut mit einer Inszenierung, die auf Andeutungen setzt, auf Geheimnis, nicht auf eine alles erklärende Dialoglast oder auf schrille Effekthascherei. Zum Rest des Beitrags »
Share3D – ein neues Medium?
von Daniela Kloock in Kino: Vergangenheit+Zukunft, Kolumnen & Blogs am 17. August 2010
Ein, nennen wir es, „klassischer“ Teil der Medien- und Filmgeschichte kommt derzeit zu einem Ende. Grund hierfür ist das Universalmedium Software. Dieses ermöglicht nicht nur eine gigantisch angewachsene, global-kapitalistische Verwertungskette der Bilder- und Medienwelten, sondern lässt auch gewohnte Konstanten und gewachsene Konventionen der Bildproduktion und –rezeption erodieren.
Die Digitalisierung bringt Medien-Konvergenzen und Formen von Öffentlichkeit hervor, deren Dynamiken noch nicht absehbar sind. Der momentane Hype um 3D ist innerhalb dieses Kontextes der Verschiebungen und Verlagerungen – aber auch der basalen Verunsicherung – zu betrachten. Zum Rest des Beitrags »
ShareInglourious pressure
von Florian Schwebel in Filmwissen, Kolumnen & Blogs am 16. August 2010
Die neue Mikrodramaturgie
„Inception“ ist kein Film über Träume, sondern über Stoppuhren. So wie die Iron Men nicht von Integrität handeln, sondern vom Wegducken in letzter Sekunde, und „Hellboy II“ sich nicht um Außenseiter, Inzest und Reifeprozesse dreht, sondern um glühende rotierende Zahnräder. Früher waren nur James Bond – Filme immer eine halbe Stunde zu lang, damit noch eine ausgewalzte Allmachtsphantasie über den Kampf um den Weltuntergang reinpasste, heute sind immer mehr Produktionen jenseits von Locarno um etwa hundert danebengehende Feuersalven zu öde. Und noch sehr viele Produktionen mit einem Budget oberhalb von 40 Millionen Dollar werden folgen, in denen die Aufmerksamkeit der Macher und des Publikums auf dem filmischen Äquivalent zu der Frage liegt, ob Heldin oder Held geschickt einem herunterfallenden Blumentopf ausweichen können. Zum Rest des Beitrags »
ShareDer Mond und andere Liebhaber
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 13. August 2010
“Ich will ne Kartoffelsuppe mit Bockwurst drin, nichts vom Italiener oder Inder.” So sind wir.
Text: Henryk Goldberg
Micmacs à Tire-Larigot
von Georg Seeßlen in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 22. Juli 2010
Micmacs – Uns gehört Paris!
So eine Geschichte mag man doch: Da wird einem Regisseur wie Jean-Pierre Jeunet ein Mega-Blockbuster-Stoff in den USA angeboten, und „Nö“ sagt der und kehrt lieber in seine französische Heimat zurück um einen weiteren seiner kleinen, versponnenen Comic-haften Arbeiten zu drehen, für die wir ihn seit „Delicatessen“, „Die Stadt der Kinder“ und natürlich die „Amelie“ lieben. Jeunet, zu Beginn noch mit seinem Partner Marc Caro, hat ein nicht unerhebliches Segment des französischen „Cinéma du Look“ besetzt; statt des mächtigen Pathos von Jean-Jacques Beineix und dem visuellen Overkill von Luc Besson eine eigene melancholische, komische, surreale und poetische Parallelwelt, geschaffen mit einer verlässlichen stock company, nicht sehr anbiedernd, aber noch weniger schmerzhaft, sehr, sehr französisch eben. Und diese selbstverliebte Art des Flohmarkt-, Bistrot- und „Mystères de Paris“- Kinos ist es auch, was strengere Kritiker Jeunet vorwerfen. Zu viel davon, in der Tat, kann einem auch auf die Nerven gehen. Aber alle ein, zwei Jahre ein Jeuent-Film für Zwischendurch, das kann man sich auch als schwerdenkender Cineast leisten. Und jetzt ist es seit dem letzten Jeunet-Film gar schon fünf Jahre her. Man ist schon richtig hungrig auf seine phantastischen Bilderschleifen! Zum Rest des Beitrags »
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