HERCULES

Stanley Kubricks „Spartacus“ aus dem Jahr 1960 ist unangefochten der bis heute gehaltsvollste Sandalenfilm. Jetzt kommt „Hercules“ mal wieder in die Kinos. Die neue filmische Ausbeutung des antiken Stoffes reicht an „Spartacus“ nicht heran. Kein Wunder, da ging es schließlich um hoch politische Fragen, um Fragen der Menschheitsgeschichte. Die werden dieses Mal nicht gestellt. Dennoch: dieser Sandalenfilm überrascht.

In den letzten Jahren, erinnert sei an „Gladiator“ und an „300“, schien es oft so, dass die Geschichten nicht sonderlich wichtig genommen wurden. Das A und O war die visuelle Gestaltung. Dieses Mal nun gibt es eine starke Geschichte: Muskelmann Hercules (Dwayne Johnson) zieht mit einigen Spießgesellen Keulen schwingend durch die HERCULESLande. Der schwergewichtige Mordsgeselle ist der Star der Schlägertruppe. Der wichtigste Mann aber ist ein anderer, einer des Geistes: der Geschichtenerzähler Iolaus (Reece Ritchie). Seine Erzählungen sind es nämlich, die den angeblichen und den wirklichen Heldenmut von Hercules, effektvoll aufgeputzt, in die Welt hinaus tragen. Was dafür sorgt, dass die Feinde der Söldner von vornherein vor Angst bibbern. Hercules & Co. kommt das zu gute, als der Haufen wieder mal für einen mächtigen Auftraggeber ins Getümmel eilt. Was sich jedoch schwieriger gestaltet als sonst. Die Auftragskiller müssen sich nämlich fragen, ob sie nicht auf der falschen Seite kämpfen. Die Antwort fällt eindeutig aus. Was harsche Folgen hat.

Regisseur Brett Ratner („Rush Hour “) und seine Drehbuchautoren überraschen nicht nur damit, dass sie eine moralische Frage ins Zentrum ihres Actionspektakels rücken. Sie überraschen zudem mit einer für das vor allem auf „Hau den Lukas“-Momente setzende Kino mit erstaunlich genauen Charakterzeichnungen. Keine Überraschung: Die Welt der Sagen und Mythen wird hemmungslos geplündert, hier wird zusammen geflickt, was nicht zusammen gehört, dort hinzu erfunden, wovon noch nie ein Mensch gehört hat. Was nicht stört, da all dies dem Erzählfluss dient und den Spaßfaktor beträchtlich erhöht. Das vor allem wird nämlich geboten: Spaß. Der resultiert auch daraus, dass lange Zeit unklar ist, ob dieser Hercules wirklich ein Sprössling von Göttervater Zeus ist, oder ob es sich um einen raffinierten Schwindler handelt, der es geschickt versteht, die Erwartungen an einen Sohn des Olymp zu erfüllen.

Wie es sich gehört, gibt es jede Menge Gemetzel. Die sind rasant choreographiert, temporeich inszeniert und erfüllen die Erwartungen an modernes Action-Kino. Dabei wird es erfreulicherweise nicht zu brutal. Augenzwinkern angesagt. Dafür sorgt schon Hauptdarsteller Dwayne Johnson. Der Ex-Wrestler gehört nicht zu den großen Mimen vom Schlage des Spartacus-Interpreten Kirk Douglas. Aber Charisma und spürbare Selbstironie machen das wett. Stars wie Joseph Fiennes, John Hurt und Peter Mullan bieten in kleineren Rollen manch Kabinettstückchen. Rundum unterhaltsam!

Peter Claus

Hercules, von Brett Ratner (USA 2014)

Bilder: Paramount

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