Salz in die Wunde

Henryk Goldberg beteiligt sich am Brötchen-Krieg

Die Geschichte Thüringens ist reich an furchtbaren Kriegen. A. D. 1999 hatten wir in Weimar den sog. Buren-Krieg, dabei ging es um die Frage, ob ein Parkplatz zum Kunst-Platz werden darf. Er durfte nicht. Einer der furchtbarsten tobte im nämlichen Jahr um die Bratwurst. Es ging dabei um die Frage, ob ein Kulturmanager Bratwurst lieben muss. Er musste nicht. Nun der Brötchen-Krieg. Er wird geführt um die Frage, ob einer fest und unverbrüchlich auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen und zugleich ein Liebhaber der sog. DDR-Brötchen sein kann. Die Frage ist noch nicht entschieden, der unterzeichnende Kriegsberichterstatter meint: Er kann. Ich zum Beispiel bin ein Anhänger dieser DDR-Cola, deren Namen hier wg. Vermeidung von Schleichwerbung vermieden wird. Nur, ich bin ziemlich sicher, sie hat damals anders geschmeckt, wenigstens etwas. Was die Bataille um die Brötchen betrifft, so wird es sich wohl ähnlich verhalten. Mag sein, sie waren damals kerniger und krustiger, schließlich, wir waren ja auch ein kerniges, unverdorbenes Völkchen von echtem Mehl und Korn. Jetzt gibt es Mehrkornbrötchen, Kürbiskernbrötchen, Kümmelbrötchen usw. Nur Salzbrötchen, die gibt es nicht mehr. Aber es gab sie einmal, ich erinnere mich genau und sie waren klasse. Aber ich will kein Salz in offene Wunden streuen. Es ist so schon schlimm genug.

© Henryk Goldberg

Thüringer Allgemeine, 26.07.2011

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