Rote Socken

Eigentlich eher nicht. Eigentlich neige ich eher nicht zum Gebrauch expressiver Textilien. Schön, manchmal, wie wir Textilwissenschaftler sagen, zwei nicht ganz monochromatische Socken. Schön, manchmal ein Spritzerchen Suppe auf dem Jackett oder einen Hauch von Kaffee. In Maßen natürlich. Schon deshalb, weil die Dame, wenn sie derlei bemerkt, einen umgehenden Kleiderwechsel anordnet. Aber in dieser Woche hatte sie Urlaub und vernachlässigte also ihre morgendliche Aufsichtspflicht. Mit dem Ergebnis, dass in der Redaktion ein leitender Kollege sprach „Darf ich mal?“ und mir den Kragen zurechtzupfte. Nicht, dass mir das was ausmacht. Vielleicht wird es ja auch so sachte Zeit, zu lernen, wie sich solche Hilfeleistungen anfühlen. Vielleicht sagt ja auch bald eine junge nette Kassiererin in der Kaufhalle „Na Opa, haben wir denn auch genug Geld mit?“.

Aber für die Dame ist es schon blöd. Und weil ja bekanntlich diese ganze Gleichberechtigung in der DDR Lug & Trug war, so sehr, dass sogar die Orgasmusraten gefälscht waren, wie auch die Wahlen, fühlt sie sich irgendwie verantwortlich für mein Erscheinungsbild. Allerdings, für diese spezifische Fälschung bin in ihrem Falle leider nicht ich verantwortlich. Und ich halte es, und zwar aus Gründen meiner prinzipiellen demokratischen Einstellung! – für eine unreflektierte Unterstellung, dass sie in der DDR besseren Sex gehabt haben soll. Aber das sind verschiedene andere Geschichten. Als Konsequenz aus der Geschichte mit dem schiefen Kragen zog ich einen farbigen Pullover an.

Aber da. Der war nämlich rot. Irgendwie mag ich die Farbe, obgleich ich fest auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehe. Hehe, lachte es hämisch, das sieht ja so jugendfrisch aus! Haha, kicherte es komisch, zwanzig Jahre jünger! Alles so lustige Sachen von den lustigen Kollegen. Na gut, es war überdies nach dem Rasier-Wochenende, da mochte der Eindruck entstehen, ich wollte hier einen auf jungen Kerl machen, 58 oder so.

Dabei, eigentlich habe ich einen eher konservativen Geschmack. Oder vielmehr, ich habe gar keinen. Will sagen, ich weiß in der Regel nicht so genau, was gerade als konservativ gilt.

Vor einigen Wochen zum Beispiel hatte ich einen Schnupfen. Aus Gründen, die mit denen meiner zweifarbigen Socken korrespondieren, also aus solchen, die nicht ich zu verantworten habe, wurden dann die Taschentücher knapp. Ich nahm also am Abend das letzte verwendbare Taschentuch um es unters Kopfkissen zu legen, falls sich in der Nacht ein entsprechender Bedarf einstellen sollte. Und am Morgen stopfte ich es wieder in die Hosentasche. Ganz, ganz vorsichtig habe ich diesen Umstand dann thematisiert. Um zu erfahren, dass textile Taschentücher beinahe in einer Liga mit Ärmelschonern spielen. Aber wahrscheinlich bin ich einfach zu faul, um nach jeder Nasensäuberung einen Papierkorb zu suchen. Und zu umweltbewusst, als dass ich die Verwendung regenierbaren Materials nicht vorziehen würde. Dennoch, das machte mich sehr betroffen. Schließlich, wer will schon so ein Kerl mit Ärmelschonern sein.

Aber man ist ja lernfähig. Als ich, vor einigen Jahren im Sommer die mir und auch sonst sehr bekannte Buchhändlerin B. Sch. in ihren blauen Buchladen besuchte, da lachte sie plötzlich, wie mir schien, unmotiviert, so ein helles Weiberlachen: „Was, du trägst Feinrippunterhemden?“. So erfuhr ich, wie uncool das ist. Seither trage ich coole T-Shirts. Und bin trotzdem älter geworden.

Die Gleichberechtigung wird dann vollendet sein, wenn unsereiner von einer Dame gebeten wird, am Samstag doch mal wieder die Sockenhalter zu tragen. Muss ja nicht in Rot sein.


Text: Henryk Goldberg

Text erschienen in Thüringer Allgemeine, 05.02.2011


getidan Kaufempfehlung

gesehen im Juke Jive Shop – Exklusiv für den Herren mit dem etwas anderen Geschmack






Herrensockenhalter

Farben : Dunkelblau / Bordeaux / Weis gestreift

11,90 EUR exkl. Versandkosten

Der Klassiker gefertigt nach alter Tradition mit verstellbarem Gummizug Lederlaschen und Strumpfhalter. Ein Accessoires das nicht jeder hat, und nebenbei auch sehr schwer zu bekommen ist da sie fast nicht mehr hergestellt werden. Wer hat nicht das ein oder andere Paar Socken im Schrank liegen das eigentlich fast neu ist aber die Bündchen ausgeleiert sind und andauernd rutschen beim tragen, und nebenbei wird mit Sicherheit so manche Dame ins staunen kommen wenn Sie diese authentische Beintracht zu sehen bekommt.


Share