Ein Gesicht

Das war ein ziemlich rotziger Mann, ein Gangster mit weichem Gesicht. Ein Mann, der einem anderen bedauernd mitteilt, er müsse ihn jetzt erschießen und es wäre nicht persönlich. Dann drückt ein Jeep diesen Mann langsam, ganz langsam gegen eine Mauer. Und das Gesicht, das nun das eines Kindes ist, erzählt, lautlos, wie persönlich so ein Sterben ist und wie hoffnungslos. Nun ist er wirklich gestorben, 76 Jahre alt.

Dieser Schauspieler, vorwiegend im Heiteren reüssierend, bleibt für mich immer mit dem Gesicht des sterbenden Mannes verbunden, es war „Das grüne Ungeheuer“. Klein war ein Charakterdarsteller, vierzehn Jahre am BE und dem Deutschen Theater engagiert. Doch wollte er wohl lieber ein Großer des populären Fernsehens sein als ein Mittlerer des Theaters. „Aber Vati“, das war wohl ein Höhepunkt, für ihn und für die Heile-Welt-Dramaturgie des DDR-Fernsehens. Klein konnte diese Grund-Fröhlichkeit vermitteln und er hatte ein Gesicht mit hinreichend viel Charakter, um dabei nicht albern zu wirken.

Einmal musste ich ihn beim ND-Pressefest interviewen, auf der Bühne. Wir warteten, das Publikum wartete, denn der Genosse Herrmann ließ auf sich warten. Mir war es peinlich. „Ach“, antwortete er lächelnd, als wolle er mich trösten, „wir sind doch nur die Gaukler.“ Das war immer so.


Autor: Henryk Goldberg

Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine, Oktober 2002 (Nachruf auf Erik S. Klein,  gestorben am 22.10.2002)

Filmografie Erik S. Klein




Wege übers Land (DDR TV, Erik S. Klein als Emil Kalluweit; hier mit Manfred Krug)




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