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Jean-Jacques Annaud photographed
by Studio Harcourt Paris

Das Spielfilm-Debüt Sehnsucht nach Afrika (1976) des ehemaligen Werbefilmers Jean-Jacques Annaud erhielt gleich den Oscar als bester ausländischer Film. Hier entführte er die Zuschauer in die französisch-deutsche-Kolonialzeit von 1915. Weltberühmt wurde er mit dem „Steinzeit-Thriller“ Am Anfang war das Feuer (1981), in dem eine Gruppe Neandertaler nach dem lebenserhaltenden Feuer sucht. Annaud schuf Mammuts und Säbelzahntiger, sowie eine eigene Sprache, um ein authentisches Bild der Steinzeit zu schaffen – danach war der Franzose als akribischer Extremfilmer etabliert.

Der Kloster-Thriller Der Name der Rose (1986) mit Sean Connery wurde sein nächster Welterfolg. Ausgewählte Schauplätze und aufwendige Kulissen im spektakulär-absurden M.C.-Escher-Stil sorgten im Kino für ein kaltes Mittelalter-Gefühl. In dem Naturfilm Der Bär (1988), der im 19. Jahrhundert in Kanada spielt und in den Dolomiten gedreht wurde, musste allein der titelgebende Hauptdarsteller vier Jahre lang für die Rolle dressiert werden. Sein Drama Der Liebhaber (1992) durfte als erste westliche Produktion seit der Vietnam-Wiedervereinigung im Jahr 1976 in Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) gedreht werden.

Ärger brachte ihm sein nächster Film Sieben Jahre in Tibet (1997) ein, in dem Brad Pitt den Österreicher Heinrich Harrer spielte. Tibet wurde weitgehend von Argentinien gedoubelt und später mit echten Tibet-Bildern gemischt, die Annauds Second Unit unter dem Vorwand einer Dokumentation gedreht hatte – er selbst erhielt (vorläufig) ein lebenslanges Einreiseverbot in die Volksrepublik China. In Duell – Enemy at the Gates (2001) schuf Annaud im Studio Babelsberg anhand des historischen Duells zweier Scharfschützen die Hölle von Stalingrad im Jahr 1942.

Seine nächste Zeitreise ging nach Kambodscha, wo er,  den im Französisch-Indochina der 1920er spielenden, Film  Zwei Brüder (2004) drehte. Das einst friedliche Königreich wurde in den 1970er Jahren durch das Terrorregime der Roten Khmer in Angst und Elend gestürzt. Erst Mitte der 90er Jahre konnte eines der gefährlichsten Länder der Welt langsam wieder für den Tourismus geöffnet werden. 1998 hatte Annaud die  Filmvision für die Geschichte zweier Tigerbrüder, die als „Kinder“ getrennt werden und sich als ausgewachsene Raubkatzen wieder begegnen. Um ein besonders exotisches Abenteuer zu präsentieren, drehte er in den weltbekannten Tempelanlagen von Angkor, u.a. im Tempel Ta Prohm, der auch schon als Kulisse für Lara Croft – Tomb Raider (2001) genutzt worden war.

Doch Annaud ging noch einen Schritt weiter und wagte sich mit dem Filmteam auch zu weniger touristisch erschlossenen  Tempeln, die mitten im Urwald lagen und  von Landminen aus dem Bürgerkrieg umgeben waren.

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© Michael Scholten

Um zum Beispiel in Beng Mealea drehen zu können, musste das Equipment höchst abenteuerlich über extra angelegte Waldpfade transportiert werden.  In dem riesigen Tempel, der so groß wie das UNESCO-Weltkulturerbe Angkor Wat, aber stark zerfallen ist, wurden Holzstege errichtet, um die Ausrüstung besser über die Trümmer tragen zu können. Die Stege gibt es heute noch, sie erleichtern den vergleichsweise wenigen Besuchern die Besichtigung. In den vom Urwald überwucherten Tempeln ließ Annaud Käfige und Netze errichten – aber nicht für die Tiger, sondern für das Filmteam. So waren die Menschen eingesperrt und geschützt, während sich die dressierten Raubkatzen quasi in freier Natur bewegen konnten. Das filmische Endergebnis leidet unter der Disneyfizierung der „Hauptdarsteller“ und der Handlung, bietet aber einen einzigartigen Blick in eine fremde, exotische Kultur, so wie es  bei Annauds meisten  Filmen der Fall ist.

Zuletzt inszenierte der Filmemacher in Katar und Tunesien den Monumentalfilm Black Gold (2011) über den Ölkrieg zweier verfeindeter Königreiche auf der Arabischen Halbinsel zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Seine nächste Reise führt in Wolf Totem (2014) einen  chinesischen Studenten von Peking in die weite Steppe der Mongolei der 1960er Jahre.

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Mit der chinesischen Produktion des nationalen Buch-Megabestsellers Der Zorn der Wölfe endete Annauds Einreise-Bann. Dieser war angeblich ohnehin ein Missverständnis, zudem erklärte Annaud, dass er, als er den umstrittenen Tibet-Film drehte, nicht viel über China wusste. Dass er Wolf Totem dreht, sei von ihm ein Zeichen von Offenheit und Fortschritt, hieß es bei der Pressekonferenz anlässlich der Produktions-Ankündigung. Zum kommenden Film sagte Annaud: „Ich bin der einzige Richtige dafür.“

Wolf Jahnke

 

Bilder:

– Michael Scholten

– Jean-Jacques Annaud photographed by Studio Harcourt Paris

CC BY 3.0 ANNAUD_Jean_Jacques-24×30-1998.jpgStudio Harcourt derivative work: Materialscientist (talk)

 

 

 

 

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