Too Many Ways to Be No. 1 (Wai Ka-Fai)

1996 wurde wohl eine der innovativsten und erfolgreichsten Filmproduktionsgesellschaften in Hong Kong geboren. Milkyway Image. Gründer waren Johnnie To und Ka-Fai Wai. Während To bis dahin einige Perlen des Hong Kong Cinemas als Regisseur und als Produzent zu verantworten hatte, trat Ka-Fai Wai in erster Linie als Drehbuchautor in Erscheinung. Die Spanne von Milkyway Image reicht von Heroic Bloodshed Filmen über Film Noir bis hin zu Romantic comedies und Liebesdramen. Bei den meisten Filmen führte Johnnie To selbst Regie und als Schauspieler agierten Hong Kongs renommierteste Darsteller. Der Charakter des Unternehmens war effizient und innovativ. Man denke an „Expect The Unexpected“ aus dem Jahre 1998. Ein Budget von 6 Millionen HK Dollar (ca. eine halbe Millionen Euro), was für ordentlich Action genügte und eine Story, die ihren Namen alle Ehre macht. Der Zuschauer liegt eigentlich konsequent daneben.

Bei „Too Many Ways to Be No. 1“ durfte ausnahmsweise mal  Ka-Fai Wai Regisseur spielen und heraus kam einer der kurzweiligsten Filme überhaupt. Die Story handelt von Kau (Lau Ching Wan), der von Matt (Francis Ng) überredet wird an einem Coup mit anderen erbärmlichen Kleinkriminellen teilzunehmen. Schon am Anfang des Films definiert sich der Charakter des Protagonisten als Verlierertyp. Dass die Grenzen zwichen Glück und Unglück nahe beieinander liegen können, zeigt der Film in zwei Varianten. Die Geschichte verzweigt sich in einem Streit in einem Massagesalon. Während Kau in Variante A dem Konflikt nicht aus dem Weg geht und danach alles Unheil dieser Welt anzieht, sucht er in Variante B das Weite und scheint danach mehr Glück als Verstand zu haben. Der Film reisst den Zuschauer gleich von Anfang an in jeder Beziehung mit. Story und Kamera sind wahrlich unkonventionell und innovativ. Lau Ching Wan brilliert als Versager und milkyway-typisch ist der Musikscore perfekt auf die Bilder abgestimmt. Dieser umwerfend komische Streifen wurde 1997 von einem Kritiker mit Pulp Fiction verglichen, und vom Unterhaltungsfaktor kann man diese Aussage unterschreiben. Leider hat die damals veröffentlichte DVD vermutlich ein VHS-Master gehabt, welches in einer Bierlache lagerte. Das Bild ist eine Zumutung. Noch schlimmer ist, daß die DVD out of print ist. Also entweder abwarten oder mir ein Angebot machen, welches ich nicht ablehnen kann.

Andre Thaetz

Yi ge zi tou de dan sheng aka Too Many Ways to be No. 1 (Hong Kong 1997, Regie: Ka-Fai Wai)


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