Ganz große Bühnenkunst mit enormer Wirkung: STUNK | „Wir wollen keine Macht für Blöde!“

Ein Plädoyer für eine besondere Blüte der fünften Jahreszeit

Inzwischen ist es ja auch in der großen Politik in Deutschland angekommen: Die wuchernde Ich-Sucht hat viele in unserer demokratischen Gesellschaft in Ego-Monster verwandelt: Nachdenken – unerwünscht! Empathie – unnötig! Achtung vor den Nächsten – unnütz! Statt sich mit der Welt auseinanderzusetzen, wird sie niedergemacht, am schnellsten auf den diversen Plattformen, die das Internet bietet, anonym, versteht sich. Was tun? Wie wär’s mit Bildung?! Und da ist nicht allein die Politik gefragt, aber sie schon in hohem Maße, gilt es doch Schulen und andere Bildungseinrichtungen materiell so auszustatten, dass sie wirkungsvoll arbeiten können.

Doch in Sachen Bildung ist auch die Kunst gefordert. Und sie liefert. Das tut sie sogar – was in vielen Teilen Deutschlands gar nicht wahrgenommen wird – mit riesigem Spaß. Stichwort: Karneval. Vielfach ist in Vergessenheit geraten, dass der seinen Ursprung auch und gerade in politischem Engagement hat. Karneval ist mehr, viel mehr als Nonsens! Besonders schlagfertig beweisen dass seit bald einem Vierteljahrhundert die Kabarettistinnen und Kabarettisten, die in Neuss und Düsseldorf zum STUNK laden. Ursprünglich waren die Stunk-Sitzungen so etwas wie Alternativ-Angebote für Karnevals-Muffel, denen die aufwändigen Prunksitzungen der etablierten Vereine gegen den Strich gehen. Inzwischen ist STUNK Kult. Warum? Auch, weil hier – siehe oben! – Bildung angesagt ist. Mit scharfen, oft wirklich messerscharfen Pointen zieht die Truppe gegen Dummheit, Rassismus, Intoleranz, Populismus zu Felde. Die spitzen Finger werden auf viele offene Wunden gelegt, lokale, regionale, globale. „Voll op de Nüss, ey“, wie das erste Programm 1995 hieß, kriegen es wirklich nahezu alle, die es verdienen, Dumpfbacken jeglicher Couleur vorneweg. Dabei geht es nicht um billige Pointen-Schinderei. Die Truppe ist durchweg spürbar darauf aus, dem Zeitgeist und dessen Protagonisten auf die Füße zu treten, um einen „Aha“-Effekt auszulösen. Wo große Theaterproduktionen einen dementsprechenden Anspruch gern schwerfällig (und auch eitel) vor sich hertragen, machen das die Stunk-Stars mit Leichtigkeit, Charme und Intelligenz, ohne sich als Weltverbesserer zu gerieren. Sie sagen was Sache ist. Punkt. Sie sagen’s so, dass der Witz sitzt und einem das Lachen oft im Hals stecken bleibt, so dass die kleinen grauen Zellen kräftig stimuliert werden. Vor allem letzteres lässt das Herz des Theaterkritikers und -verehrers höher schlagen. Hier wird kein fauler Budenzauber mit Stückzertrümmerung, Regieeitelkeiten und technischem Firlefanz verhökert, hier wird mit spürbarem Engagement und künstlerischem Anspruch, Wirklichkeit reflektiert, seziert, vom Kopf auf die Füße gestellt. Und das alles mit enormem Unterhaltungsfaktor. Der ist so hoch, weil er das berühmte kleine bisschen Mehr enthält, das, was die Zuschauer zum Nachdenken anregt. – Shakespeare würde die Stunk-Truppe lieben!

Peter Claus                                                                                        

Bild ganz oben: screenshot website (Ausschnitt | © STUNK)

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