L.A. Crash (Regie: Paul Haggis)

 

Das Wunder der Fee

„L.A. Crash“: Paul Haggis glaubt in seinem Debütfilm an das Gute im Menschen – und überwältigt uns damit

Nachts sieht die Stadt der Engel mit ihren verschwimmenden Lichtern von oben so aus, wie der Sternenhimmel von unten. Und weil dies ein Himmel ist, dürfen sich in ihm Wunder begeben.

Der mexikanische Schlosser erzählt seiner Tochter die Geschichte vom unsichtbaren Umhang der Fee, der jeden schützt, der ihn trägt, und legt ihm dem fünfjährigen Mädchen liebend um die Schulter. Später wird ein Iraner auf ihn schießen und  die Tochter wird sich zwischen die Kugel und den Vater werfen.

Der mexikanische Schlosser wird von dem iranischen Ladenbesitzer für den Urheber seines Unglücks gehalten. Er kauft eine Pistole und der Waffenhändler wirft den Iraner hinaus. Dessen Tochter übernimmt den Kauf. Der Händler referiert arrogant über Munition und die Tochter reagiert wie eine Frau. Ich will die in der roten Schachtel. Es sind die Platzpatronen, mit denen ihr Vater später auf den Vater des  Mädchens schießen wird.
Der Polizist ist ein Rassist. Spreizen Sie die Beine befiehlt er der  Frau des schwarzen Regisseurs, Leibesvisitation. Der Schwarze entschuldigt sich bei dem Weißen, der seine Frau befingert.

Am nächsten Tag überschlägt sich diese Frau mit ihrem Wagen und dieser Polizist wird sie daraus befreien, während das Auto brennt und Benzin aus dem Tank tropft. Fassen Sie mich nicht an! schreit sie, aber er wird sie retten.

Am nächsten Tag gerät der schwarze Regisseur in eine bewaffnete Polizeiaktion und will seine Würde zurück. Der junge weiße Polizist, der dabei war, als der Schwarze gedemütigt wurde, stellt sich zwischen den Mann und die entsicherten Waffen seiner nervösen Kollegen.

Von der Art sind die Geschichten, die Paul Haggis erzählt. Sein Debütfilm beginnt mit einer Referenz an Robert Altmans Short Cuts, auch der begann mit dem Blick von oben, auch dort waren es Episoden aus Los Angeles. Haggis ist in der Verschränkung der Episoden nicht so elegant wie Altman und er ist auch nicht so souverän: Altman erzählte um des Erzählens willen, Haggis hat eine Botschaft, wovon aufdringlich auch die Musik kündet. Alle diese Geschichten handeln vom Rassismus, und beinahe alle Figuren erhalten die Chance zur Bewährung. Denn, sagt Haggis, wirklich schlecht ist kaum einer dieser Menschen, sie sind halt so. Das ist nicht immer glaubwürdig, das hat etwas forciert Konstruiertes, wenn die Bösen Gutes tun und die Guten Böses aber das vorzügliche Ensemble und die Liebe des Regisseurs zu seinen Figuren lassen uns das vergessen und die Wunder glauben.

Am Ende schneit es in Kalifornien und so wäre das wohl ein  Film zur
Weihnachtszeit. Ein Film über das Leben ist es nur bedingt.

Autor: Henryk Goldberg

Text geschrieben  2005

Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine

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