Vermisst

Das sei, hieß es 2005, Woody Allens bester Film seit Langem. Das ist wohl so, aber es war auch sein fremdester. Weit weg von New York genoss er seine neue Liebe London. Die Stadt, die Pferde, das kultivierte Leben der Upper Class, das hat etwas vom 19. Jahrhundert, der Soundtrack ist lauter Belcanto. Weit weg von seinen Neurosen, von seinen New Yorker Spiegelbildern ist Allen als Regisseur wie befreit. Befreit von dem Zwang, an den wir uns gewöhnt hatten wie an einen Kult, seine immer gleichen Neurosen, seine immer gleichen Geschichten zu zelebrieren, sehen wir, was für ein glänzender Handwerker da arbeitet. Und als wolle er das genießen, wird der Film schließlich zu einem intensiv spannenden Thriller.

Scarlett Johanssons Nola verströmt die Sinnlichkeit einer Hafennutte aus Berufung und die Intelligenz einer Beststudentin aus Harvard, Marilyn Monroe mit Abitur. Kein Zweifel, ein erstklassiger Woody Allen. Nur, dass wir dennoch vermissen, was wir auch an Woody Allens schwächeren Filmen liebten: Woody Allen.

Text: Henryk Goldberg

Bild: Prokino

Match Point (GB 2005)

Regie: Woody Allen

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