Frida (Julie Taymor)

Goldstaub

Eine Fiesta für „Frida“: wunderschön und schmerzfrei

frida180Ist das Gold? fragt das junge Mädchen den Mann neben ihr. Ja, es ist Gold und dann geschieht es. Die Eisenstange dringt ihr in den Rücken und tritt zwischen den Beinen wieder aus. Sie liegt in ihrem Blut, ein blauer Vogel fliegt auf und es regnet Gold. Der Goldstaub senkt sich langsam auf das Mädchen und bedeckt das Blut.
Die Szene ist verbürgt und sie beschreibt das Problem in der Wahrnehmung der Ikone Frida Kahlo. Die legendäre Verklärung ihrer Vita, die surreale Übermalung ihres Schmerzes machen es schwer, unter der Inszenierung die Regisseurin zu erkennen. Und was ihr Therapie war gegen den Schmerz, das bleibt uns als das Eigentliche. Vielleicht, dass uns sonst das Gewissen plagte über den Preis, den sie zu entrichten hatte für die Schönheit, die wir so genießen.

Der Film der Regisseurin Julie Taymor und der Schauspielerin Salma Hayek macht seinen Betrachter die Meinungsbildung nicht eben leicht. Denn er ist, ohne Zweifel, schön. Schön sind die Bilder, die einige von Kahlos Werken als Diaramen animieren, so spielerisch die Kunst ins Leben führend, und dieses wieder zu Kunst erstarren lassend. Schön ist auch Salma Hayek, nicht nur schön, auch engagiert, auch gut, auch exzentrisch.

Man folgt dieser Schönheit, dieser Fiesta für Frida, nicht ohne Freude. Diesem Feuer, dass die beiden Frauen entzünden, dient alles zum Brennmaterial: Die Männer und die Frauen, der Schmerz und die Kunst. Das ist alles wunderbar anzuschauen und es mag auch eine Art von Authentizität der Oberfläche haben.

Aus diesem Panorama fällt eine Figur heraus: Leo Trotzki gerät, obschon von Geoffrey Rush gespielt, zur reinen Albernheit. Und da wird offenbar, was dieser Film nicht besitzt: einen Hauch von Tiefe, eine Schicht unter der wundersamen Oberfläche. Und sobald eine Figur, wie eben Trotzki, nicht schillert, sobald eine Beziehung nicht diesen exotisch betörenden Oberflächenreiz atmet, dann erscheinen sie banal: weil nur die Form erzählt wird, weil es keine Reibung, keine Reflexion gibt außerhalb dieser Form. Es gibt nur die Therapie, die Schönheit, nicht aber die Krankheit, den Schmerz. Um wirklich überwältigend, wirklich bedeutend zu sein, fehlt dieser filmischen Schönheit die Intensität des Leidens.

Als Frida, das junge Mädchen, nach dem Unfall erfährt, dass ihr Freund nach Europa geht, da malt sie sich einen Schmetterling auf den Gips, später bestreut sie den Ganzkörpergips mit lauter Schmetterlingen. So lernt sie leidend ihre Medizin. Und so ist dieser Film: Wunderschöne Schmetterlinge, darunter schlichter Gips.

Autor: Henryk Goldberg

Text geschrieben: 2002

Text: veröffentlicht in filmspiegel

Bild: Buena Vista

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