Drachenläufer (Marc Forster)

Goldene Tränen

Der Junge Amir schreibt Geschichten. Eine handelt von einem Mann, dessen Tränen zu Perlen werden. Dieser Mann ermordet seine Frau, so kann er weinen und die Tränen vergolden. Warum, fragt den jungen Dichter sein Freund, kann der Mann nicht einfach an einer Zwiebel riechen? Es ist der gleiche Grund, der auch diese Geschichte bestimmt: Ein Mann, der an einer Zwiebel riecht, ist nicht dramatisch.

Ohne die Markttauglichkeit von Schicksalen finden diese kaum statt in einer medialen Welt. Deshalb hat das Buch von Khaled Hosseini wohl mehr für das Verständnis von Afghanistan getan als viele sachliche Berichte. „Drachenläufer“ ist ein in weiten Teilen sensibler Film. Amir ist der Sohn des reichen Mannes, Hassan der Sohn des Dieners. Die Beziehung zwischen den beiden ist das Sehenswerte dieses Filmes, das Anrührende, das mitunter so flirrend, so leicht erscheint wie die Drachen über Kabul.

Henryk Goldberg

Text erschienen in Thüringer Allgemeine (11.06.11)

Bilder: Paramount

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