Ocean’s Eleven (Steven Soderbergh)

Das Wohlfühlkino

„Oceans Eleven“ erklärt, was cool ist und Spaß macht

Danny Ocean ist ein ziemlich cooler Mann. Gerade war er vier Jahre im Knast, was ziemlich uncool ist. Auch Dusty Ryan ist ein ziemlich cooler Mann. Gerade trainiert er die Jeuness dore von Hollywood im Poker, was ein ziemlich uncooler Job ist. Deshalb hört Dusty aufmerksam zu, als Danny ihn fragt Wieder mal wieder nach Vegas? Denn das ist ein wirklich cooler Satz der einen wirklich coolen Job verspricht. Denn als es das letzte mal nach Las Vegas ging, da war es vor 42 Jahren und die Jungens, die damals dabei waren, das war so ziemlich das Coolste, was es gab.

Steven Soderbergh war zur vergangenen Oscar-Zeremonie der erste Mann seit sechzig Jahren, der für einen Abend zweimal als bester Regisseur nominiert war. Er wurde es für Traffic, mit seinem anderen nominierten Film, Erin Brockovich, ermöglichte er dem Weltstar Julia Roberts ihren ersten Oscar. So ein Mann fürchtet sich vor so gut wie gar nichts mehr. Nicht vor Filmen, die nichts bedeuten, weil er niemandem mehr beweisen muss, dass er im Kino auch nachdenklich sein kann, nicht vor Remakes von Leuten, die einmal fast alles bedeutet haben, weil er weiss, dass er da drüber kommt mit einem kleinen Lächeln, einem vollen Glas und einem guten Schneider. Denn an Ocean‘s Eleven, das Original von 1960, erinnert man sich, wenn überhaupt, nur, weil die Gang damals so cool war, Frankie und seine Spießgesellen, Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis jun. Wenn es keinem der jetzt beteiligten Stars vergönnt sein sollte, seinen Namen vierzig Jahre lang im öffentlichen Gedächtnis aufbewahrt zu finden, womit sie rechnen müssen, dann werden dennoch Menschen, die in zwanzig Jahren geboren werden, sich diesem Filmen, wenn sie zwanzig Jahre alt sind, in ihrem Fernsehen, oder wie das dann heißt, anschauen können. Nicht, weil das irgendwie historisch wäre oder prominent, nein, nur weil es nett ist. Und weil es, auf eine gewiss auch etwas komische Weise, erklärt, was sie damals, am Anfang des Jahrhunderts, cool fanden. So wie wir uns gelegentlich wundern, was so um 1960 herum als attraktiv und lässig galt. Aber nett ist es schon, irgendwie.

Danny Ocean also kommt aus dem Knast und lebt die These eines bekannten Kultursoziologen Nach dem Bruch ist vor dem Bruch. Und da zum Kanon dieser Philosophie auch der andere Satz gehört, die Elf-Freunde-müsst-ihr -sein-Beschwörung, besorgt er sich die Kumpels. Es sind die Besten in ihrer jeweiligen Branche und sie wollen auch nur das Beste: Den Tressorraum von drei Casinos in Las Vegas. Ungefähr so gesichert wie Fort Knox oder das Oval Office, sonst wär‘s auch nicht so cool. Und der Besitzer dieser Casinos, der glatte Affe, hat außerdem etwas, das für Danny Ocean noch wichtiger ist als die Kohle, Tess, seine einstige Frau. Es gibt nicht den Hauch eines Zweifels, dass 150 Millionen Dollar sowie 1 Frau den Besitzer wechseln werden, doch wie es geschieht, das ist hoch amüsant.

Steven Soderbergh hat die perfekte Erscheinungsform eines lächelnden Wohlfühlkinos geschaffen. Er belästigt uns nicht mit zu vielen Details des Bruches, er erfreut uns mit viel Glanz und Glitzern. Ein wenig mit dem von Las Vegas, der weithin leuchtenden Oase in der Wüste von Nevada, und vor allem mit dem seiner Stars: George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon, Andy Garcia, Julia Roberts. Die Jungens, das Mädchen nicht ganz so, sind unglaublich cool, unglaublich lässig, unglaublich selbstbewusst, unglaublich gegenwärtig also. Und manchmal ist es, als wolle Soderbergh sich ganz, ganz leise auch ein wenig lustig machen darüber. Aber nur so viel, dass es als ein Hauch von Selbstironie, als eine Ansammlung von heiteren Selbstzitaten die Perfektion beseelt. Und so wird es erklärlich, dass auch männliche Zuschauer ihre ungebrochene Freude haben, wenn George Clooney und Brad Pitt mitunter im Minutentakt die Anzüge wechseln, und im Übrigen einen 116-Minuten-Kurs in Lifestyle geben. Die Atmossphäre des Filmes, die wichtiger ist als seine spannende, aber nicht aufregende Story, hat auch mit der Atmossphäre zwischen seinen Stars zu tun, die, was sie machen, offenkundig gern machen, sie spielen mit viel Lust und einem Lächeln die Klischees, die sind als Stars, schön, cool, lässig. Es mag darin liegen, dass Julia Roberts ein wenig zu fremdeln scheint in diesem Film: es fehlt ihr die Distanz zur eigenen Figur, die Leichtigkeit. Sie nimmt die Geschichte zu ernst.

Am Abend des großen Bruches gibt es im Casino eine Begegnung, die so noch nicht stattgefunden hat, Dr. Wladimir Klitschko trifft Lennox Lewis. Es ist die einzige Brutalität in diesem Gangsterfilm.

Autor: Henryk Goldberg

Text geschrieben 2002

Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine

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