Jackass (Jeff Tremaine)

Multiples Erbrechen

„Jackass“: Worüber man so lacht

Ja doch, ich bin ein bürgerlicher Warmduscher. Gewiss, “Born to be wild” ist auch schon eine Weile her. Womöglich geht es anderen Kollegen auch so, und nun haben sie ein Mittel gegen ihre Depression. Deshalb vielleicht finden sie Jackass jetzt obercool. Natürlich, als Intellektueller sagt man anarchisch, grinst Gegenkultur und röchelt Marcel Duchamp. Und was stiftet diese schönen Gedanken?

Ein Mann entleert seinen Darminhalt in seine Unterhose. Ein Mann uriniert auf Schnee und verzehrt ihn. Ein Mann startet Sylvesterraketen aus dem Anus.

Ein Mann benutzt die Kloschüssel im Verkaufsraum eines Sanitärhandels.

Mehrere Männer erbrechen mehrfach.

Derlei, nicht als Andeutung, sondern als klares Bild, nicht zu mögen, das gilt im Augenblick unter publizierenden Intellektuellen als unchic. Darin liegt womöglich sogar eine Sinnhaftigkeit dieses Filmes nach einer MTV-Serie: Er ist der Indikator einer Haltung, die sich liberal nennt und vergisst, dass eine Toleranz, die keinerlei Auschluss mehr kennt, sich selbst aufhebt.

Man mag über den Witz sich durch Stunts selbst absichtsvoll zugefügter Schmerzen geteilter Meinung sein wer indessen gelegentlich solcher Fäkalienorigien ernsthaft Anarchie! Ruft und Gegenkultur!, für den ist Gesellschaft auch nur noch eine Art Kloschüssel.

Wie gesagt, ich bin ein bürgerlicher Warmduscher und ich bliebe es gern.

Autor: Henryk Goldberg

Text geschrieben  2003

Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine

Bilder: Paramount

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