Just a Kiss (Ken Loach)

Sehr korrekt

Sie fahren im Auto und sie soll sich ducken, sagt er. „Wenn sie mich mit einer Frau im Auto sehen, kriege ich Ärger“. Später wird er mit dieser Frau im Bett liegen und der Ärger der davon kommt, das ist der Film.

Ken Loach ist einer der wichtigen Regisseure des europäischen Kinos – weniger in Betrachtung seiner Ästhetik, vielmehr als einer, der bestimmte Themen im Kino hält. Der Engländer ist gleichsam das Crossover von thematischer Relevanz und ästhetischer Seriosität, und wie das geht exemplifiziert ´Just a Kiss`. Eine Liebe in Glasgow, die Musiklehrerin Roisin, der DJ Casim. Das Problem dieser Liebe ist, der Junge soll in Neun Wochen seine Cousine heiraten und er ist der Sohn pakistanischer Einwanderer. Casim liebt seine Eltern, seine Familie, er will sie weder verletzen noch verlieren – dieser Blick zeichnet Ken Loach aus, mit Hass und Zorn blickt er lediglich auf den Vertreter der eigenen Kultur: den katholischen Priester, der sich weigert der an einer konfessionellen Schule unterrichtenden Lehrerin die „Unbedenklichkeit“ zu attestieren – weil die geschiedene Frau Sex hat, mit einem Nicht-Katholiken dazu. Diese Szene ist intensiv und aggressiv – als einzige. Im Übrigen ist dieser Film von einer heiteren Entspanntheit, in weiten kultiviert er ein quasi-dokumentares Beobachten, was ihn nicht spannender macht. Ken Loach ist ethnisch sehr gerecht und er ist politisch sehr korrekt. Vielleicht wäre es dem Film dienlicher gewesen, sein Regisseur hätte ein wenig weniger diskutiert und ein wenig mehr gepoltert.

Autor: Henryk Goldberg

Text geschrieben  2005

Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine

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