Marcello Marcello

1956 in Italien: Auf einer Insel herrscht die seltsame Tradition, dass die Väter heiratsfähiger Töchter von jungen Männern Geschenke bekommen, um die Tochter ausführen zu dürfen. Der Knabe, der das schönste Präsent überreicht, darf auf den Gang vor den Traualtar hoffen. Fischersohn Marcello (Francesco Mistichelli) liebt Elena (Elena Cucci), die gerade nach langer Zeit aus weiter Ferne heimgekehrte Tochter des wohlhabenden Bürgermeisters. Doch er hat kein Geld für ein edles in Geschenk. Was tun? Eines Morgens kommt ihm eine Idee: Der Bürgermeister hasst den Hahn des Metzgers, denn der reißt ihn tagtäglich aus dem wohligen Schlaf. Marcello will dem Vater Elenas das böse Tier und damit Ruhe schenken. Das Vorhaben bringt Marcello auf Trab und jagt ihn einmal quer über die Insel. Dabei macht er überraschende Entdeckungen hinter den Kulissen des dolce vita. Doch die Zeit rennt ihm davon. Nur wenn ihm die Götter helfen, könnte er doch noch sein Ziel erreichen. Doch auf die idyllische Insel kommen die Götter meist nur, um nichts zu tun und sich auszuruhen.

"Marcello Marcello" © Senator Film

Francesco Mistichelli und Elena Cucci bezirzen mit jugendlicher Frische. Das hinreißend schöne Paar entschädigt einen dafür, dass die Story doch arg dünn ist. An ihr hätte der Schweizer Autor und Regisseur Denis Rabaglia etwas stärker arbeiten können. Statt auf Substanz aber setzt er auf schmachtende Blicke, störrisches Schicksal und, vor allem, auf die viel beschworene mediterrane Lebensfreude. Gewürzt mit einer Prise Erotik, gelang ihm so ein hübsch neckisches Märchen für Erwachsene, die sich um Realitätsbezüge nicht weiter scheren wollen. „Marcello Marcello“ taugt gut als sommerlich leichtes Wohlfühlkino für hemmungslose Romantiker.

Peter Claus

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