Der ganz große Traum (Sebastian Grobler)

Wirklich gute Fußballfilme gibt es wenige. Ken Loachs „Looking for Eric“ hatte Klasse, Sönke Wortmanns „Das Wunder von Bern“ Pathos. „Der ganz große Traum“ nun versucht mit Komik und Romantik, der Faszination dieses Sports, dem Millionen Menschen in aller Welt anhängen, auf die Spur zu kommen.

Der Film erinnert an Konrad Koch (1846 – 1911). Der Lehrer veröffentlichte 1875 das erste deutsche Regelwerk zum Fußball und gründete den ersten Fußballverein. In Braunschweig war’s. Wo er ein Jahr zuvor seine Schüler zu Fußballfans macht. Wie, das erzählt der Film.

Die Handlung ist simpel: Konrad Koch (Daniel Brühl) lehrt an einem Gymnasium in Braunschweig. Die Schüler sind, wie Schüler oft sind, nämlich faul. Koch setzt auf Motivation durch Sport. Das funktioniert. Viele seiner Kollegen und der Eltern aber können mit Kochs unorthodoxen Methoden nichts anfangen. Sie setzen auf den guten alten Untertanengeist. Den der Lehrer verwehrt. Also gibt’s jede Menge Hickhack. Die Jungs aber, klar, halten fest zu ihrem Pauker – und zum Fußball. Happy End voraussehbar.

Regisseur Sebastian Grobler ist Debütant. Er will nicht allein Fußballfans in die Kinos locken. Er zielt auf ein Massenpublikum, das sich launig unterhalten lassen möchte. Der Fußball wird dabei ganz naiv als Möglichkeit fröhlichen Miteinanders über alle möglichen denkbaren Grenzen des Denkens und Empfindens, der Herkunft und der Bildung hinweg, gefeiert. Das ist schön. Aber es trägt keinen ganzen Abend. Das Opponieren der Jungen gegen die Konventionen der Alten wird dabei zur lustigen Revue von Lausbubenstreichen. Das macht die tatsächliche Kraft von Fußball (und anderen Mannschaftssportarten) sehr viel kleiner als sie ist.

Ausstattung, Kostüme und Schauspiel sind tadellos. Auffallend geglückt ist die Kameraführung vor allem in den gut arrangierten und choreographierten Szenen, die die Eroberung des Sports mit Erfolgsbildern feiern – das erste Tor, der erste gehaltene Ball. Nur hat das Drehbuch die Charaktere mitunter arg klischiert gezeichnet. Adrian Moore etwa muss den mittellosen doch höchst talentierten Problemknaben durch einen Dschungel von 08/15-Sätzen steuern, Theo Trebs als reicher Schnösel ebenso. Und wozu da auch noch eine dürre Liebesgeschichte eingebaut werden musste, ist dem fertigen Film nicht anzusehen. Plausibel ist sie kaum, und sonderlich bewegend schon gar nicht.

Bleibt Daniel Brühl. Man glaubt ihm den Fußballfanatiker. Der Schauspieler, im wahren Leben bekennender Barcelona-Fan, bringt Lust am Sport locker rüber. Seine Intensität ist das große Plus des Films und dürfte auch Leute erreichen, die ansonsten mit Fußball nicht allzu viel am Hut haben – falls die überhaupt in diesen Film gehen.

Peter Claus

Der ganz große Traum, Sebastian Grobler (Deutschland 2010)

Bilder: Senator

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