Shakespeare forever! Auf der Berlinale beeindruckte das Regiedebüt von Schauspielstar Ralph Fiennes, „Coriolanus“. Große Kunst. Kelly Asburys Romeo-und-Julia-Bearbeitung „Gnomeo und Julia“ veräppelt die berühmteste Lovestory aller Zeiten als 3D-Animation. Der Ansatz ist verblüffend und schon an sich komisch: die Liebenden sind Gartenzwerge. Aber trägt das es einen ganzen Film?

Die Story in Stichworten: In der Shakespeare-Stadt Stratford-upon-Avon leben Mr. Capulet und Miss Montague Reihenhaus an Reihenhaus. Die Zwei sind einander spinnefeind. Ihre Gartenzwerge tun’s ihnen nach. Die Rotmützen werden von Lord Redbrick regiert. Seine Tochter Julia ist alles andere als ein scheues Wesen. Und das sorgt für Trubel. Blaumütze Gnomeo nämlich riskiert einen begehrlichen Blick auf die Schöne. Das dürfte gewaltig ins Auge gehen…

Rabatten-Krieg der Gartenzwerge – sieben Drehbuchautoren sollen verschlissen worden sein, um den Shakespeare-Stoff dementsprechend zurechtzubiegen. Wirklich gepackt haben sie es nicht. Die schöne Idee, dass wahrlich Kleingeistige der verfeindeten Familien bei Shakespeare im schrecklich-schönen Land der Kitschfiguren anzusiedeln, schreit geradezu nach einer Satire für Erwachsene. Die aber bleibt aus. Es ist niedlich und putzig und auch mal rührend, aber es wird nie scharf. Das Süßliche dominiert, angeheizt von -x Songs der Pop-Ikone Elton John. Besonders schwierig: Weil ganz auf Familienunterhaltung getrimmt, wurde das tragische Finale umgemodelt. Man ahnt es früh – und fühlt sich früh behumst.

Die Animation allerdings lässt keine Wünsche offen. Tricktechnisch überzeugt der Film. Die Detailfreude ist atemberaubend. Und die knallbunten Natur-Postkarten-Idyllen sind derart überzogen, dass es eine Freude ist. Wer den Film nicht in 3D sehen kann, muss sich nicht grämen. Wie fast immer, so ist es auch hier: Der dreidimensionale Firlefanz ist verzichtbar. Auch zweidimensional stellt sich einiges an Spaß ein, auch wenn es zum ganz großen runden Vergnügen nicht reicht.

Peter Claus

Gnomeo und Julia, Kelly Asbury (USA/ Großbritannien 2011)

Bilder: Walt Disney Studios

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