Hangover II (Todd Phillips)


Die prüden Amis lieben das – jedenfalls im Kino: Hose runter, Sexismus tonnenweise und eine Sprache, die tatsächlich zum Himmel stinkt. Nur mit dem rigid-pseudobraven Alltagsleben in den USA ist wohl zu erklären, wieso Krachklamotten voller Fäkalhumor und Gekreisch unterhalb der Gürtellinie beim breiten Publikum so außerordentlich erfolgreich sind. 1998 hatte in „There’s Something about Mary“ („Verrückt nach Mary“) solcherart Witz durchaus etwas Subversives und konnte als Satire auf die muffige Spießermentalität des Großteils der bürgerlichen Gesellschaft in „Gottes eigenem Land“ gedeutet werden. Die Kopien des Hits waren in der Regel plump und fadenscheinig.

Mit „Hangover“ kam vor zwei Jahren wieder Schwung in die Schmuddelecke. Die Fortsetzung will das noch toppen. Verblüffenderweise ist die Geschichte um eine Handvoll erwachsener Männer, die sich alberner benehmen als ein Rudel Vorschulkinder, tatsächlich komischer als in der ersten Variante. Die Story nicht, sie folgt dem Vorbild: Tumbe Kerle versacken kurz vor der Hochzeit eines der ihren total, stürzen ab und landen in einem Chaos. Diesmal in Thailand, Bangkok vor allem. Die Folgen reichen von Ekel-Tattoos bis zu surreal-mörderischer Action. Der Witz resultiert insbesondere daraus, dass viel Spaß mit Entsetzen getrieben wird. Das Verschwinden eines Halbwüchsigen, möglicherweise sein Tod, sorgt für tatsächlich krasse Komik. Wenn nicht derart überdreht inszeniert, wie hier, würde das wohl kaum ein kollektives wieherndes Lachen auslösen, sondern nur Abscheu. Dass so harter Humor funktioniert, spricht für die Inszenierung.

Selbstverständlich wendet sich „Hangover II“ nicht an Freunde ausgefeilter Witze, deren Pointen auf intelligenten Wortspielen beruhen. Hier geht es derb zu. Weil dahinter aber durchweg auch ein Nachsinnen über den Wert wahrer Freundschaft zu ahnen ist, ist man gefesselt. Und man entdeckt einige Zeichen, die dafür sprechen, dass „Hangover II“ durchaus auch als Attacke gegen die alles Fremde und Unbekannte sofort ausgrenzende Lebenshaltung jenseits des großen Teichs deuten. Das macht besonders viel Spaß!

Peter Claus

Hangover II, Todd Phillips (USA 2011)

Bilder: Warner

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