Wer sich für Fragen der Ökologie interessiert, dürfte von vornherein den Kopf schütteln, denn Wasserknappheit und Wasserverschwendung in Arabien gehört zu den großen Problemen. Eine Geschichte, die Wasser als wesentliches Element des Lebens feiert, die in einem Wüstenstaat spielt, sich aber mit dem Problem nicht wirklich ernsthaft auseinandersetzt, kann nur Kopfschütteln ernten.

Trotzdem hat es der gleichnamige Debüt-Roman von Paul Torday 2007/2008 in viele Bestseller-Listen geschafft. Lasse Hallströms Verfilmung dürfte ebenfalls Kasse machen. Das liegt vor allem am Drehbuch von Simon Beaufoy, der schon Hits wie „Ganz oder gar nicht“ und „Slumdog Millionär“ entscheidend mitgeprägt hat. Sein Gespür dafür, Komik und Romantik mit einem Schuss Sozialkritik geschickt auszubalancieren ist auch diesmal wesentlich. Leider aber hat er die Anteile der Vorlage, die durchaus politsatirisches Format erreichen, weitestgehend eliminiert.

Die Story ist rasch angedeutet: Ein englischer Fischerei-Fachmann (Ewan McGregor) bekommt von einem Scheich (Amr Waked) den Auftrag, dafür zu sorgen, dass im Hochland des Jemen eine Lachszucht angesiedelt werden kann. Zwischen Hoheit und Bürger vermittelt eine Geldberaterin (Emily Blunt). Der Biologe aus Großbritannien lehnt erst einmal ab. Doch die Pressesprecherin des britischen Premierministers (Kristin Scott Thomas) will über das Projekt eine Publicityshow unter dem Stichwort „völkerverbindend“ abziehen. Sie setzt den widerwilligen Fischmann so unter Druck, dass er gar nicht anders kann, als sich zu fügen.

Zunächst sieht es so aus, als entwickele sich eine pointenreiche Komödie wider den Wahnwitz der Macht des Geldes und von karrieregeilen Politschranzen. Kristin Scott Thomas absolviert diesbezüglich einige treffliche Auftritte. Doch, man ahnt es von Anfang an, die Lovestory zwischen Fischmann und Geldfrau drängt in den Vordergrund. Je weiter das Geschehen voranschreitet, umso mehr schwelgt die Inszenierung in Romantik, die schließlich in Kitsch umkippt. Richtig ärgerlich ist ein oberflächlich ins Bild gesetzter Erzählstrang um einige Terroristen.

Trotz all der Bedenken und Einschränkungen bleibt man aber als Zuschauer am Ball. Das liegt, wie schon angedeutet, am clever gebauten Drehbuch und dazu an den Akteuren. Bei Ewan McGregor und Emily Blunt knistert es gehörig, obwohl die Beiden angenehm-unaufwendig agieren. Die können’s einfach. Dazu passt die Komik von Kristin Scott Thomas bestens. Wegen der Drei ist die Schmonzette sehenswert. Man kann Tränen der Rührung und des herzhaften Lachens vergießen. Nach dem Kinobesuch allerdings, sobald das eigene Gehirn wieder arbeitet, empfindet man einen schalen Nachgeschmack.

Peter Claus

Lachsfischen im Jemen, von Lasse Hallström (Großbritannien 2011)

Bilder: Concorde

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