Fernando León de Aranoa gehört zu den Regisseuren Spaniens, die mit kraftvollen, sozial engagierten Filmen von sich Reden machen – und in Deutschland kaum eine Chance haben, in die Kinos zu kommen. Jetzt hat sich der rührige Verleih Alamode dieses schon 2010 produzierten Films angenommen. Fernando León de Aranoa, von dem bisher meines Wissens nur „Montags in der Sonne“ in deutschen Kinos lief, dürfte damit auch hier eine Fan-Gemeinde erobern.

Erzählt wird von einem Paar im Abseits, Marcela (Magaly Solier) und Nelson (Pietro Sibille). Er versucht sich als Blumenhändler. Doch das damit erwirtschaftete Geld reicht nicht mal für das Nötigste. Da wird sie auch noch schwanger. Fast sieht es so aus, als müsse nun auch Marcela, wie so viele um sie herum, mit Prostitution dazu verdienen. Sie versucht es erst einmal als Krankenpflegerin. Amador (Celso Bugallo), betagt, bettlägerig, ist ihr dankbar. Die Arbeit macht der jungen Frau sogar Freude. Doch dann stirbt er – und damit versiegt die Geldquelle. Nach dem Motto, es kann nicht sein, was nicht sein darf, versucht die verzweifelte junge Frau nun, das Schicksal zu betrügen. Sie verheimlicht den Tod Amadors, um weiter von der Familie zu kassieren. Fragt sich nur, wie lange das gut gehen kann.

Wer die Statistiken über verschwiegene Todesfälle in Deutschland kennt, Geschichten von Familien, die zum Teil noch über Jahre Renten längst Verstorbener einnehmen, weiß, wie nah die im ersten Moment absurd anmutende Geschichte an der Realität ist. Nähe zur Realität schafft auch die wunderbar gelassene Inszenierung. Nur ab und an schleichen sich ein paar zu pathetische Töne ein. Überwiegend geht es sachlich zu. Erinnerungen an die Filme des italienischen Neorealismo kurz nach dem Zweiten Weltkrieg werden unwillkürlich wach. Denn auch hier wird ein Hohelied auf die schlichte Menschlichkeit gesungen, die schließlich dazu führen kann, alles Leid nicht zu überwinden, doch zu mildern. Zu den stilistischen Qualitäten gehört das Schauspiel. Es ist leise, unprätentiös, bodenständig – und macht den Film endgültig zum Ereignis. Die Peruanerin Magaly Solier (bei uns bekannt aus dem Berlinale-Gewinner „Eine Perle Ewigkeit“) spielt sich wahrlich in die Herzen des Publikums. Unvergesslich.

Peter Claus

Amador und Marcelas Rosen, von Fernando León de Aranoa (Spanien 2010)

Bilder: Alamode (Filmagentinnen)

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