Magic Mike (Steven Soderbergh)

Steven Soderbergh gehörte mal zu den Innovativen des US-amerikanischen Kinos. Damit scheint’s nun wirklich vorbei zu sein. Sein jüngster Film bleibt weit, sehr weit, hinter dem zurück, was man vom Regisseur von „Sex, Lies and Videotapes“ erwartet.

Angeblich beruht die Story auf Erlebnissen des Schauspielers Tatum Channing, der die Titelrolle spielt. Der Mike, den er mit viel Bodybuildung-Studio-Power verkörpert, strippt in Florida in einem Schuppen, in denen kreischenden Frauen das Geld abgeknöpft wird. Der Boss (Matthew McConaughey) weiß, wie man das Geschäft organisiert. Mike ist sein stärkster Trumpf. Bald soll es aus der Kleinstadt ins Touri-Mekka Miami Beach gehen. Und alle hoffen, dort in jeder Hinsicht groß rauszukommen.

Man schüttelt schon den Kopf, wenn einem verklickert wird, dieser Mike jobbe nicht nur nachts als Stripper, sondern auch noch tagsüber als Dachdecker. Mit seinen schönen, sehr gepflegten Händen könnte Tatum Channing gut ein paar Brillantringe in einer Schmuck-Schau präsentieren. Dachziegel aber hat er, falls überhaupt jemals zuvor, schon viele Jahre nicht mehr angefasst.

Zu Albernheiten wie dieser gesellt sich die überschaubare Unbedarftheit des Geschehens: Mike führt einen jungen Mann (Alex Pettyfer) ins Auszieh-Business ein. Der macht sich gut, dreht allerdings bald durch und droht im Sumpf der Drogenkriminalität unterzugehen. Dafür hat er eine sehr kluge, sehr sittsame, sehr schöne Schwester (Cody Horn), die brav einem bürgerliche Beruf nachgeht. Man ahnt von Anfang an, dass Mike am Ende in ihren Armen und damit in den Schranken der vermeintlichen Wohlanständigkeit landet, die in den bigotten USA als das A und O gelten.

Weil arg vorhersehbar, ist die Geschichte recht langweilig. Und da es die Umsetzung ebenfalls ist, kommt gerade mal Unterhaltung von Durchschnittswert heraus. Der Erotikfaktor allerdings ist total unter Durchschnitt. Die überzüchteten Typen, die da ihre Muskeln spielen und die Hüllen fallen lassen, wirken einfach zu gekünstelt. Da hatten die Mannsbilder in „The Full Monty“ („Ganz oder gar nicht“), die der Not ihrer Arbeitslosigkeit durch Strippkünste entkommen wollten, mit ihren ganz gewöhnlichen Bäuchen und auch sonst 08/15-Körpern schon vor fünfzehn Jahren wesentlich mehr zu bieten.

Peter Claus

Magic Mike, von Steven Soderbergh (USA 2012)

Bilder: Concorde

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