Late Bloomers (Julie Gavras)

Die Alten drängen ins Kino. Nachdem mehr und mehr klar wird, dass es vor allem Vertreter der älteren Generationen sind, die dem Kino als Ort des Filmgenusses treu bleiben, gibt es auch mehr und mehr Filme, deren Protagonisten längst der Jugend entwachsen sind. Hanekes „Liebe“ kommt demnächst, Böhlichs „Bis zum Horizont, dann links!“ hatten wir gerade. Nun also ein Film dazu von der Tochter von Regie-Legende Constantin Cosa-Gavras („Z“), von Julie Gavras.

Im Mittelpunkt stehen Adam (William Hurt) und Mary (Isabella Rossellini). Er ist Architekt, sie arbeitet gelegentlich als Übersetzerin. Die drei Kinder sind erwachsen. Und plötzlich müssen die Zwei sich damit auseinandersetzen, dass sie nicht mehr jung sind. Es fällt ihnen sehr schwer, das zu akzeptieren.

Der Film beginnt schön sperrig. Erst einmal gehen einem die Protagonisten mit ihrer Larmoyanz gehörig auf die Nerven. Was offenbar beabsichtigt ist. Julie Gavras will nicht gefällig unterhalten. Sie setzt auf Ecken und Kanten und Widerhaken. Mit Isabella Rossellini hat sie die ideale Hauptdarstellerin. Die Italienerin kann Grandezza und Banalität wunderbar ausbalancieren. Sie wird, auch für Männer im Publikum, zur Identifikationsfigur. Wie sich ihre Mary nach und nach ein neues Selbstbewusstsein erarbeitet, das ist von komödiantischer Größe und emotionaler Stärke. Man leidet mit ihr, genießt mit ihr und hilft ihr in Gedanken, wenn sie sich an einem Punkt der Geschichte, der hier um der Spannung willen nicht verraten sein, benahe zum Biest mausern muss. Große Schauspielkunst!

Nein, der Film haut die Geschichte des Kinos nicht um. Geboten wird gute Unterhaltung für Leute, die mehr suchen als Knall-Bumm-Zisch.

Peter Claus

Late Bloomers, von Julie Gavras (Frankreich/ Belgien/ England 2011)

Bilder: Movinet (24 Bilder)

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