Filme mit Menschen im Zentrum, die durch Krankheit behindert sind, haben Konjunktur. Das Schema meist: Die Protagonisten wachsen über sich hinaus und beweisen, dass die Nicht-Behinderten zumindest in ihrem Denken oft sehr behindert sind.

Da gab es schon Schönes, Gutes, Rührendes zu sehen, meist keck, frech, mit Witz. Diese auf Tatsachen beruhende schwedische Komödie benutzt einen interessanten dramaturgischen Kniff, der noch nicht abgenutzt ist: der nicht-behinderte Alex (Sverrir Gudnason) steht im Mittelpunkt. Schauspieler ohne Arbeit, im Privatleben auch nicht gerade erfolgreich, landet er durch Vermittlung vom Amt im „Paradies“. Hier werden geistig Behinderte betreut. Alex erlebt, wie sie mit Zuwendung erstickt und entmündigt werden. Er versucht, andere Wege zu gehen, muss dabei einige Widerstände überwinden, ehe seine neuen Freunde dank seines Einsatzes Erfolg als Künstler haben.

Es ist bekannt: Zuviel Fürsorge kann Menschen das Leben erst recht schwer machen. Die Geschichte des in Schweden recht populären Behinderten-Theaters „Glada Hudik“, dessen Mitglieder sich zum Teil gleichsam selbst spielen, zeigt, dass daraus Rebellion und schließlich Selbstbestimmung hervorgehen kann, wenn die Behinderten das Glück haben, dass ihnen nicht-behinderte Leute  mit Energie und Engagement helfen. Erfreulich: die deutsche Synchronisation. Mitglieder des Berliner Behinderten-Theaters „Ramba Zamba“ sind dabei. Das sorgt für Authentizität, Lebensnähe. Freilich ist dies kein Meisterwerk. Zu oft werden Klischees aneinandergereiht, mehrfach wirken die Sprünge in der Geschichte arg konstruiert. Trotzdem macht der Film Spaß. Und Mut, nicht immer nur wegzugucken!

Peter Claus

Die Kunst, sich die Schuhe zu binden, von Lena Koppel (Schweden 2011)

Bilder: MFA

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