Von allem zu viel

Til Schweiger als „Schutzengel“ 

Ein Küchenjunge ist ermordet worden – und ein Waffenhändler soll es gewesen sein. Das Fernsehen berichtet, weltweit. Wir sehen die internationalen Nachrichten und wir hören sie in ihren jeweiligen Sprachen. Als wollte der Film uns auf diese Weise überzeugen von seiner Internationalität. Es ist aber nur eine Banalität.

Til Schweiger ist einer der erfolgreichsten deutschen Filmemacher und das intellektuelle Reden über ihn mitunter auch ungerecht. Schweiger ist, ohne Zweifel, ein Mann mit Ausstrahlung, ob man ihn nun mag oder nicht. Und „t“, das war, etwas überraschend, ein Schweiger-Film mit Charme, der sich vor allem Schweigers Tochter Emma verdankte.

Nun spielt wieder eine Tochter mit, Luna, nun wird der Einzelgänger wieder mit der Verantwortung für ein Mädchen überfallen aber es funktioniert nicht. Da, wo „Schutzengel“ ein Thriller sein will, ist er langweilig, wo er Sentiment verbreiten will banal. Til Schweiger will von allem zu viel. Er schießt zu viel und er redet zu viel. Und vor allem: dummes Zeug.

Max war Soldat in Afghanistan, Spezialeinheit. Das Mädchen hat einen Mord beobachtet und Max wird ihr Schutzengel im Zeugenschutzprogramm. Sein Kollege, den sie als Ersten erschießen, heißt Leo, und Max, will sagen: Til träumt davon, Leon der Profi zu sein.

Wenn sie das erste Mal kommen, um das Mädchen, die Zeugin, zu ermorden, dann müssen sie wissen, dass da Til Schweiger wacht, denn sie kommen in Kompaniestärke, und es sieht aus, wie es aussieht, wenn sie im Fernsehen eine Wohnung stürmen. Aber dahinter steht Max, und er legt sie alle um.

Später werden sie in Schützenkette antreten, aber das hilft ihnen auch nicht, denn Max weiß, wie es geht.

Aber Til weiß es nicht.

Der Mann könnte als Schauspieler gut in solch einer Rolle sein, wenn er einen guten Autor und guten Regisseur hätte. Er hat aber nur sich, und da er überdies noch der Produzent ist, gibt es niemanden, der ihn kontrolliert. Und deshalb sieht dieser Film aus wie der Traum eines Jungen, der sehr viele Filme gesehen hat und sich in die Rolle eines harten Hundes fanatisier.

Schweiger inszeniert sich als den harten Kerl mit dem sentimentalen Herzen, ein Mann, der Tod bringt, aber im Eigentlichen nur die Liebe sucht. Andere tun das auch, und es macht Spaß, aber sie tun es nicht so bemüht, nicht so angestrengt cool.

Die Schießereien sind maßlos bis zur Albernheit. Und die Szenen mit dem Mädchen?

Sind so: „Wie ist es, zu töten?“

„Wer wird auf deiner Beerdigung weinen?“

Alles so was. Diese Texte im „Schutzengel“ entstehen nicht aus einer Situation, sie wirken wie aus Schweigers Gefühls-Baukasten montiert. Wenn sein bester Freund erschossen wird, dann wäscht Max dem Toten das Blut von der Haut. So sind Männer. Und was sprechen sie? Dieses: „Wir sehen uns auf der anderen Seite.“

„Hier haben sich“, sagt zum Ende des Films hin die Nachrichtensprecherin, „dramatische Szenen abgespielt“.

Na ja.

 

Henryk Goldberg, Thüringer Allgemeine 05.10.2012

Schutzengel, von Til Schweiger (Deutschland 2012)

Bilder: Warner Bros.

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