74 Jahre nach der vor allem Dank Judy Garland und dem Song „Over the Rainbow“ weltberühmten Verfilmung der Erzählung „Der Zauberer von Oz“ von L. Frank Baum kommt jetzt das selbsternannte Prequel über uns. Nett anzuschauen ist’s, die 3D-Effekte überzeugen, es gibt was zu lachen und ein bisschen Horror und ’ne Prise Sex. Und doch: das Spektakel entlässt einen unbefriedigt.

Das Drehbuch schrieben Mitchell Kapner und David Lindsay-Abaire, Regie geführt hat Sam Raimi. Ihr Star ist der Jahrmarktsbudenzauberer Oscar Diggs (James Franco). Als der Frauenheld von einem wütenden Mann verfolgt wird, rettet er sich durch Flucht mit einem Heißluftballon. Der fliegt geradewegs ins Märchenland Oz. Vom Himmel gefallen, wird Oscar als Erlöser angesehen. Und Erlösung wird dringend gebraucht. Das Böse herrscht in Oz. Zu blöd, dass Oscar im Grunde nichts anderes als ein Aufschneider ist. Zudem guckt er bei Frauen allein auf das Äußere und nicht in deren Seelen. So braucht’s denn auch verdammt lang, ehe er herausbekommt, welche der drei Hexen, Theodora (Mila Kunis), Evanora (Rachel Weisz) und Glinda (Michelle Williams), die Hüterin des Guten ist.

Die Story ist neckisch. Nur: sie funktioniert nicht wirklich. James Franco darf als Oscar lausbübisch sein, ein Luftikus, doch hat er keine Chance, sich wirklich zum Charmeur und damit zum Sympathieträger oder gar zur Identifikationsfigur zu wandeln. So mangelt es dem Film in Gänze schließlich am entscheidenden, am Charme. Am Ende verspürt der Filmfan nur einen Impuls: ab zum nächstgelegenen DVD-Verleih und „The Wizard of Oz“ ausgeliehen und mit Judy Garland bangen und schwärmen und träumen, dahin, wo die blauen Vögel flattern, somewhere over the rainbow.

Peter Claus

Die fantastische Welt von Oz, von Sam Raimi (USA 2013)

Bilder: Walt Disney Studios

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