Wer an Pinochet denkt, wird nicht sofort zum Lachen angeregt. Die Untaten des chilenischen Diktators sind schließlich alles andere als komisch. Und doch schafft es dieser Film, einem zumindest ein dickes Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern.

Regisseur Pablo Larraín blickt ein Vierteljahrhundert zurück: Pinochet sitzt fest im Sattel und hat Chile im Würgegriff. Er fühlt sich derart sicher, dass eine Volksabstimmung zugelassen wird. Entschieden werden soll, ob Augusto Pinochet bei der ein Jahr später, 1989, anstehenden Wahl als einziger Kandidat antreten oder ob Konkurrenz zugelassen werden soll. Werbefachmann Rene Saavedra (Gael Garcia Bernal) wird von Vertretern eines breiten oppositionellen Bündnisses engagiert, um für die Volksabstimmung eine Kampagne unter dem Schlagwort „¡No!“ zu entwerfen und zu leiten. Was sich als überaus schwierig erweist. Denn erstens sind die Bündnispartner uneinig, zweitens versuchen die Handlanger des Diktators alles, um die Gegner zum Schweigen zu bringen, drittens ist das Volk alles andere als mündig, viertens glauben diejenigen, die das Denken noch nicht verlernt haben, dass die angekündigte Volksabstimmung nichts als Lug und Trug ist und eine Beteiligung deshalb unnötig sei. Saavedra, dessen Familie von Pinochets Leuten massiv bedroht wird, muss sich also einiges einfallen lassen…

Wer politisch gebildet ist, weiß, wie die ¡No!-Kampagne endete. Die Spannung erwächst also nicht aus Ungewissheit über das Ende der Geschichte. Pablo Larraín setzt deshalb – neben der Rekonstruktion der Historie – auf ausgefeilte Charakterstudien. Die wiederum sorgen dafür, dass man als Zuschauer heftig in die Diskussion um die Frage, ob Einigkeit wirklich stark macht, hineingezogen wird. Und: Es darf doch wirklich gelacht werden! Nicht nur ist die Kampagne komisch. Je länger die Handlung dauert, umso komischer muten (aus der sicheren Perspektive des Zurückschauenden) die Versuche der Faschisten an, die Macht zu halten. Das ist selbstverständlich eine bittere Komik. Doch da von Regie, Drehbuch und Schauspiel mit starkem satirischen Potential ausgestattet, ist sie ausgesprochen wirkungsvoll.

Star des Films ist Gael Garcia Bernal in der Rolle des Werbefuzzis, dem es zunächst nur ums Geldverdienen zu gehen scheint. Mehr und mehr jedoch wird auch er zu einem politisch Denkenden und aktiv Handelnden. Der weltweit als Schauspieler gefragte Mexikaner gibt Rene Saavedra ein glaubwürdiges Heldentum, das nicht von Posen gezeichnet wird, sondern von Intelligenz. Damit beschwört er das, was gern als die „Kraft der Schwachen“ gefeiert wird – ohne sentimentale Verklärung. Höchst beeindruckend und mitreißend.

Peter Claus

¡No!, von Pablo Larraín (Chile/ USA 2012)

Bilder: Piffl Medien


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