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In Saudi-Arabien gibt es keine Kinos. Filmaufführungen sind dort verboten. Wie auch das Drehen selbst. Genauso verboten: die Selbstverwirklichung von Frauen, etwa als Filmregisseurinnen. Da ist es wirklich eine Sensation, dass es Regisseurin Haifaa Al Mansour gelungen ist, den ersten komplett in Saudi Arabien gedrehten Film zu stemmen. Die in Kairo geborene Künstlerin, dort und in Sydney ausgebildet, hat aber deshalb keinen Bonus in der Bewertung nötig. Ihr Film spricht für sich – mit Klasse.

Erzählt wird die Geschichte eines Mädchens, der 10-jährigen Wadjda (Waad Mohammed). Sie lebt mit ihrer Mutter (Reem Abdullah) in einem Vorort von Riad. Ihr Vater (Sultan Al Assaf) hat sich mehr oder weniger abgesetzt. Denn er will einen Sohn, den ihm Wadjdas Mutter nicht gebären kann. Also ist er abgehauen. Schließlich ist er schwer wadjda_320beschäftigt. Er sucht eine Zweitfrau. Und Wadjda? Sie hätte gern ein Fahrrad. Aber dafür reicht das Geld nicht. Und selbst wenn es reichte, wär das Glück damit nicht zu kaufen. Denn Fahrradfahren ist Frauen in Saudi-Arabien verboten. Wadjda aber gibt nicht auf. Sie sieht ihre Chance in einem Wettbewerb um Wissen rund um den Koran. Als Preis gibt’s eine hohe Summe. Die Motivation des Mädchens ist also enorm.

Zum Teil heimlich, mit versteckter Kamera realisiert, ermöglicht dieser Film einen Einblick in eine uns nahezu unbekannte und kaum zugängliche Welt. Visuell ist das sehr schlicht, und gerade deshalb von beeindruckender Stärke. Nicht die Gestaltung ist wesentlich, es ist der Inhalt. Der fokussiert auf den Alltag der Frauen in Saudi-Arabien. Ohne Schleier dürfen sie nie aus dem Haus, sie dürfen nicht Autofahren, dürfen nichts tun, was – angeblich – die Begierde eines Mannes wecken könnte, und sei der räumlich noch so weit entfernt. Da erwächst die Spannung daraus, wie sich Frauen mit viel Klugheit ihre Freiräume dennoch erobern.

Wadjda wird zur Symbolfigur einer stillen Rebellion. Der Film lässt erfreulicherweise keinen Zweifel daran, dass ihre Geschichte als Symbol für bessere Lebensbedingungen im Königreich zu verstehen ist. Dabei liegt die Kraft der Erzählung in der Hoffnung, dass die Erfahrungen der Kindheit die später einmal erwachsene Wadjda prägen werden – und sie vielleicht mit anderen zusammen, die Kraft aufbringen wird, Grundsätzliches in Saudi-Arabien zu verändern.

Peter Claus

Das Mädchen Wadjda, von Haifaa Al Mansour (Saudi-Arabien/ Deutschland 2013)

Bilder: Koch Media (Neue Visionen)

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