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Stars am Fließband sollen locken: Forest Whitaker, Oprah Winfrey, Jane Fonda, Vanessa Redgrave, Mariah Carey, Alan Rickman, Robin Williams und, und, und… – Tolle Show. Nur leider: Geboten wird mehr schicke Verpackung denn gewichtiger Inhalt!

Offeriert wird ein schicker Bilderbogen, angeregt von der Lebensgeschichte von Eugene Allen. Der Schwarze diente von 1952 bis 1986 acht US-Präsidenten im Weißen Haus in Washington, was der Film locker aufnimmt – und davon ausgehend die Veränderungen der butler_320_Lebensbedingungen für Afro-Amerikaner in den USA von der Rassentrennung bis zur Wahl von Barack Obamba, dem 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, reflektiert.

Die Titelfigur heißt im Film nicht Eugene Allen, sondern Cecil Gaines. Weil die Filmstory doch recht frei erfunden ist, ist die Abänderung des Namens absolut richtig. Dieser Cecil muss als Kind eines Baumwollpflückers mit ansehen, wie seine Mutter missbraucht und sein Vater ermordet wird. Als Waise wird er in der Villa der Peiniger seiner Eltern zum „Hausnigger“ ausgebildet. Das ermöglicht ihm später die Arbeit in einem Hotel. Von dort gelangt er schließlich als Butler ins Weiße Haus nach Washington. Zu den Lebensmaximen von Cecil, dem Forest Whitaker eine stoische Würde gibt, gehört es, sich nie auch nur Gedanken über Politik zu machen. Deshalb kann er absolut nicht verstehen, dass sich sein ältester Sohn Louis (David Oyelowo) als Student der Bürgerrechtsbewegung anschließt. Das kostet ihn nicht nur die Liebe von Louis. Seine Frau Gloria (Oprah Winfrey) nimmt Abstand – und greift zur Flasche. Es dauert, ehe Cecil kleine Schritte in so etwas wie eine Emanzipation wagt…

Im Finale sehen wir den greisen Ex-Butler, lange schon Rentner, wie er begeistert die Wahl von Barack Obama zum US-Präsidenten miterlebt. Er, der wegen seiner Hautfarbe einst Angst haben musste, erschossen zu werden, wenn er auf ein allein für Weiße reserviertes Klo ging, kann einem Schwarzen als ersten Mann im Staate zujubeln. Mit Cecil jubeln die Geigen. Wie in diesem Film immer dann, wenn das Publikum etwas empfinden soll, die Akkorde dröhnen. Besonders heftig wird’s im Finale – da fühlt man sich, mindestens akustisch, in einem reinen Propagandafilm für Barack Obama.

Regisseur Lee Daniels bekam für sein 2009 uraufgeführtes Sozialdrama „Precious“ eine „Oscar“-Nominierung. Das war ein harter, ehrlicher Film, der – ganz nebenbei – auch von der Unterdrückung und von der Selbstbefreiung Schwarzer in den USA erzählt, und das recht raffiniert. Dieses Mal reiht Daniels simpel Episode an Episode. Die Erzählerstimme von Cecil hält alles zusammen. Alles: das sind unendlich viele Splitterchen zur Zeitgeschichte.

Und die Star-Parade? Sie wird vor allem für die Mini-Auftritte der Ex-US-Präsidenten und ihrer Gattinnen gebraucht. Jane Fonda schießt dabei als Nancy Reagan den Vogel ab. Sie nämlich setzt auf Ironie. Die dem Film ansonsten fehlt. Der erzählt brav und bieder. Und er verliert sich in Belanglosigkeiten. Was angesichts des Themas mehr als ärgerlich ist.

Peter Claus

Der Butler, von Lee Daniels (USA 2013)

Bilder: © Prokino Filmverleih

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