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Ein Weltraumabenteuer fern des Üblichen, das sich sehr Irdischem hingibt. Nämlich einem Nachdenken darüber, wie ein Mensch, der durch äußere Umstände aus der Bahn geworfen wurde, wieder festen Halt finden kann, wieder in den aufrechten Gang zurück findet.

Nachgedacht wird darüber anhand der Geschichte einer Wissenschaftlerin. Ein schwerer Schicksalsschlag hat sie innerlich auskühlen lassen, hat sie ins Wanken gebracht, fast zu Fall, sie funktioniert nur noch wie ein Automat. Mit ihrer Darstellung liefert Sandra Bullock zweifellos die bisher größte Leistung ihrer bereits mit einem „Oscar“ gekrönten Laufbahn.

gravity_320Sandra Bullock hat zunächst George Clooney an ihrer Seite. Die Beiden arbeiten ganz unspektakulär in den unendlichen Weiten des Weltalls. Sie ist Medizinerin, er ein erfahrener Astronaut. Durch einen Unfall werden die Beiden ins Nichts geschleudert. Anfängliche Hoffnung weicht rasch purer Angst. Doch die Frau schafft es. – Sandra Bullock beherrscht den durch rasante Bild-Ton-Montagen enorm spannenden Film nahezu vollständig. Ihr Porträt einer Verzweifelten, die nicht aufgibt und tatsächlich über sich selbst hinauswächst, die mit menschlicher Intelligenz und Emotionalität sämtliche technischen Tücken meistert, ist von außerordentlicher Intensität. Ihrer Präsenz und die ganz darauf zugeschnittenen Inszenierung ist bei allem technischen Schnickschnack, wie dem überflüssigen 3D-Aufwand, zu danken, dass die Zuschauer das Geschehen geradezu atemlos verfolgen.

Regisseur Alfonso Cuarón, der gemeinsam mit seinem Sohn Jonás auch das Drehbuch geschrieben hat, kommt ganz ohne „Star Trek“-Effekte aus. Es geht ihm allein um das Abenteuer Menschsein. Bullock, deren Gesicht meist in einem Raumfahr-Helm steckt, spielt scheinbar um ihr Leben. In dem, was da von ihrem Gesicht zu sehen ist, spiegelt sie Himmel und Hölle. Das unterstützt sie mit einer nahezu perfekten Körpersprache. Empfehlung: Wer passabel Englisch versteht, sollte sich den Film im Original ansehen. Allein, wie Sandra Bullock ihre Stimme nuanciert, ist grandios.

Peter Claus

Gravity, von Alfonso Cuarón (USA/ Großbritannien 2013)

Bilder: Warner

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