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Regisseur Markus Goller ist erfahren in der Arbeit mit dem Schauspieler Matthias Schweighöfer. 2010 gelang ihnen mit „Friendship!“ ein satter Komödienerfolg mit großem Publikumszulauf. Ein Jahr später bewies der Regisseur mit der in Bayern angesiedelten Komödie „Eine ganz heiße Nummer“, dass er auch ohne Schweighöfer Zuschauer anziehen kann. Die warmherzige Komödie zeigte zudem, dass er bei allem Klamauk auch die Kunst beherrscht, mittels Zwischentönen einer Geschichte Gewicht zu verleihen.

Nun also präsentiert Goller wieder eine Zusammenarbeit mit dem angesagten Jung-Star Schweighöfer in einer der Hauptrollen. Leider fehlen aber dieses Mal zu häufig die Zwischentöne. Zu sehen ist ein launiges road movie, wieder darf Matthias Schweighöfer einen Typ verkörpern, der sich vom ella_320Hallodri zum mitfühlenden Mann entwickelt, erneut fesseln schöne Bilder. Nur leider: die Story wirkt gelegentlich etwas überkonstruiert, Schweighöfer drückt mehrfach zu heftig auf die Tube und allzu oft wird’s sentimental. Aber: da sind auch Ruth-Maria Kubitschek und August Diehl.

Ruht-Maria Kubitschek ist eine Vollblutkomödiantin, die nahezu alles spielen kann, ob Trampel oder Lady. Hier nun agiert sie als alte Dame, die von dem Jungspund vor einer überflüssigen, allein auf Grund ärztlicher Profitgier angesetzten Operation bewahrt und auf einen Trip Richtung Paris mitgenommen wird. Die unverwüstliche Aktrice gibt der Titelfigur so viel pralle Lebenslust und einen derart angenehmen Humor, dass man sich einfach in sie verlieben muss und gern über die genannten Schwachpunkte hinwegsieht. Die in der Romanvorlage mit mehr Gewicht ausgestattete Geschichte von Ellas Suche nach ihrer großen Liebe wird im Film zwar sehr viel leichter erzählt, doch dank Kubitscheks Klasse ist es genau diese Geschichte, die sich einprägt. Das ist auch Schweighöfer zu danken, der seiner Schauspielpartnerin offenbar mit Freude viel Raum zur Entfaltung überlassen hat. Es sieht so aus, als habe hier eine feine Teamarbeit stattgefunden. Dritter im Bunde ist August Diehl. Ich erinnere keine einzige Komödie, in der er zuvor aufgetreten ist, sondern ausschließlich Dramatisches. Hier nun reizt er die Lachmuskeln mehrfach mit trockenem Witz, dass es einen fast aus dem Kinositz schmeißt. Als Single auf Suche nach der Frau fürs Leben gerät er oft in Situationen, die ein Lachen über die Figur provozieren könnten. Doch Diehls feine Charakterzeichnung und seine Charme und die alles Denunzierende vermeidende Inszenierung sorgen dafür, dass man immer mit den Figuren lacht.

Peter Claus

Frau Ella, von Markus Goller (Deutschland 2013)

Bilder: Warner

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