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Nach seinem Sensationserfolg „Dicke Mädchen“ muss Regisseur Axel Ranisch nun erleben, was schon viele vor ihm erlebt haben: der zweite Film wird von einigen Kritikern bejubelt, von einigen anderen eher nörgelnd zur Kenntnis genommen. Es ist zu hoffen, dass er sich davon nicht verunsichern lässt!

Ranisch erzählt die autobiographisch angehauchte Geschichte des pubertierenden Florian (Frithjof Gawenda), der seine Mutti (Christina Große) liebt und mit ihr gemeinsam die Seligkeit deutscher Schlager, vor allem jener von Christian Steiffen, dem selbsternannten „Gott des Schlagers“, der auch mal für Schlagzeilen sorgt, weil er in der Politik mitmischen will. Einer seiner disko_320vielleicht bekanntesten Songs heißt „Das Leben ist nicht immer nur Pommes und Disco“. Für Florian, kurz: Flori, könnte es das durchaus sein, wenn da nicht der Vater (Heiko Pinkoswki) wäre. Doch er ist. Was, ganz klar, für Reibung sorgt.

Zarter Sohn – robuster Vater. Das ist die Grundkonstellation. Aus der holen Ranisch und seine Akteure heraus, was nur herauszuholen ist. Zum dramaturgischen Knackpunkt wird ein Schicksalsschlag, der Vater und Sohn dazu zwingt, sich zusammenzuraufen. Dazu verliebt sich Florian dann auch noch heftig in einen jungen Mann, worauf der Vater höchst überraschend reagiert. Man darf staunen.

Zusammengehalten werden die Erzählstränge durch die Schlager von Steiffen. Nicht zufällig dient sein Song „Ich fühl’ mich Disco“ als Filmtitel. Das Kluge daran: Ranisch nimmt die Lieder des Barden, der gern blödelt, ernst. Vor allem nimmt er die Figuren ernst. Seine Schauspieler geben ihr Bestes. Zu denen gehört – mit einem Kurzauftritt – auch Ranischs Mentor Rosa von Praunheim. Eine schöne Ehrung.

Großes Plus: die lakonischen Dialoge, dank derer es nie sentimental wird. Der schönste kommt zum guten Schluss nach gemeinsamem Angeln von Vater und Sohn: „Der Fisch schmeckt bitter“, maunzt Florian. „Wie das Leben“, entgegnet der Vater. – Ranischs Film gehört zu jenen, die dem Leben einiges an Bitterkeit nehmen.

Peter Claus

Ich fühl mich Disco, von Axel Ranisch (Deutschland 2013)

Bilder: Salzgeber

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