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Die Deutschen und ihre Stars: immer wieder eine böse Geschichte. Beispiel: Alexandra Maria Lara. Hierzulande wird sie viel zu selten beschäftigt. Zum Glück hat man andernorts Aufgaben für sie. Nach ihrem grandiosen (Nebenrollen-)Auftritt in „Rush“ begeistert sie nun in diesem Film in einer Hauptrolle.

Alexandra Maria Lara spielt die zurückhaltende Eva. Sie leidet schwer darunter, nicht sehen zu können. Der blinde Ian (Edward Hogg) kann ihr imagine_320helfen, wieder Lebensmut aufzubauen. Aber Ian wird aus der Augenklinik in Lissabon, in der er ungewöhnliche Methoden (Stichwort: Echoortung) propagiert, gefeuert. Was nun?

Dem polnischen Regisseur Andrzej Jakimowski und seinen Akteuren gelang ein Drama, das dadurch fesselt und berührt, dass es auf Dramatisches weitestgehend verzichtet. Durch eine raffinierte Tonebene gelingt es dem Regisseur, sehenden Kinobesuchern das Blindsein nahe zu bringen. Entscheidender aber ist die zarte Geschichte von Eva und Ian. Setzt Edward Hogg seiner Rolle entsprechend auf viel Energie, hat es Alexandra Maria Lara sehr viel schwerer, denn die von ihr verkörperte Eva ist eine eher scheue, eine melancholische Frau. Körpersprachlich sehr genau, ohne dabei zu stark „auf die Tube zu drücken“, lässt sie das Publikum am Prozess der Selbstfindung der Figur ganz selbstverständlich teilhaben. Und sie bringt eine flirrende Erotik ein, die dafür sorgt, dass alles zu starke Grübeln aus dem Film verscheucht wird. Hinreißend!

In den letzten Jahren spielt Alexandra Maria Lara immer häufiger in feinen, kleinen Filmen in Frankreich, England und sonst wo. In Deutschland hat sie seit Jahren keine große Rolle mehr in einem erinnerungswerten Film bekommen. Man kann nur staunen, wie blind Produzenten und Regisseure hierzulande sind.

Peter Claus

Imagine, von Andrzej Jakimowski (Frankreich/ Großbritannien/ Polen/ Portugal 2013)

Bilder: Neue Visionen

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