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Regisseur Lars Kraume hat schon satte Erfolge und kräftige Fehlschläge erlebt. Immer aber hat er sich als erfreulich unangepasster Erzähler ausgewiesen. Das ist jetzt wieder so: Die Geschichte dreier noch recht junger Schwestern, von denen eine weiß, dass sie sterben muss, könnte nach 08/15-Tränendrüsendrücker-Manier ablaufen. Tut sie aber nicht. Und das ist dem klugen Drehbuch von Esther Bernstorff und Kraumes Umsetzung des Buches zu danken. Das Duo hat sich wirklich was einfallen lassen. Und es hat exzellente Schauspielerinnen engagiert. Da ist nicht klar (und kann auch nicht beurteilt werden), was etwa an Dialogen schwestern_320und Szenen wirklich vorab geschrieben, was beim Drehen gemeinsam erarbeitet wurde. Das ist mir als Zuschauer auch schnuppe. Das Ergebnis zählt. Und das ist großartig.

Jördis Triebel, Lisa Hagmeister, Nina Kunzendorf, Angela Winkler und Monika Hansen malen facettenreiche, vielfarbige Porträts, wobei Winkler und Hansen im Vergleich zu den erstgenannten, die in den Hauptrollen auftreten, nur winzige Pinselstriche zur Verfügung haben, weil ihre Rollen im Vergleich weit weniger umfangreich sind, sehr klein. Stars? Fehlanzeige. Der Film besticht mit einer glanzvollen Ensembleleistung, die wie aus einem Guss wirkt. Das hat Seltenheitswert. Ein, zwei Mal wirkt der Musikeinsatz etwas überzogen. Da wäre weniger mehr gewesen. Aber das zerstört den Sog überhaupt nicht. Man ist als Zuschauer nach wenigen Momenten mittendrin, und man guckt am Ende recht bedreppelt aus der Wäsche, weil man gern noch viel länger mit diesen Filmfiguren zusammen geblieben wäre.

Melancholisch. Gefühlsintensiv. Atmosphärisch dicht. – Das ist allüberall zu diesem Film zu lesen. Zu Recht. Hinzu kommt: Der Film atmet einen wunderbar leichten Humor, der nie schenkelklopfend wird, der immer anmutet, als käme er direkt aus dem Herzen. Und: Hier wird nicht alles erklärt, nicht jede Situation bis ins Kleinste aufgedröselt. Hier darf ich als Zuschauer mitdenken und mitfühlen. Ganz wunderbar ist schon allein das Finale. Da gibt es eine Lüge. Es ist die wohl zugleich tröstlichste und traurigste Lüge, die eine Figur in den letzten Jahren in einem Spielfilm ausgesprochen hat. Allein deswegen ist der Film ein absolutes Muss!

Peter Claus

Meine Schwestern, von Lars Kraume (Deutschland 2013)

Bilder: Alamode (Filmagentinnen)

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