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Der Titel verwirrt zunächst. Westeuropäer und Nordamerikaner und auch noch einige andere wissen, selbst wenn sie Religionen fern sind, wie die Zeile weitergeht. Doch der Titel macht Sinn. Nicht nur spielt er darauf an, wie sinnlos es oft ist, wenn bekannte Weisheiten nur so nachgeplappert werden, er verweist auch auf die Hauptfiguren des Dramas. Das sind ein Lehrer und Erzieher und seine Schüler. Ein Lehrer und Erzieher, der vor allem eines ist: katholischer Priester. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Adam (Andrzej Chyra), selbst tief und aufrichtig glaubend, unterdrückt für den Glauben seine Sexualität. Natürlich kommt es zu einer Katastrophe, als er sich in einen jungen Mann und der sich auch in ihn verliebt. Und dieser Lukasz (Mateusz Kościukiewicz) will sich nicht damit abfinden, dass Adam die Liebe zu Gott der Liebe zu ihm vorzieht. Eine Katastrophe erscheint unvermeidlich.

Priester und Sexualität – da kriegt man erst einmal Angst, man bekäme einen saftigen Schinken dieser oder jener Würze zum Thema Kindes- und Jugendmissbrauch serviert, reißerisch, voyeuristisch, profitgierig. Diese Angst kann man vergessen. Regisseurin Małgośka Szumowska erzählt alles andere im_320als platt, vermeidet jegliche Vordergründigkeit, setzt nie auf Spekulatives. Zu Recht gab’s dafür im Vorjahr den „Teddy“, den schwul-lesbischen Filmpreis der Berlinale.

Abgesehen von einem etwas missglückten Finale, das ein wenig aufgesetzt wirkt, so als solle plötzlich doch noch schnell ganz großes Kintopp geboten werden, abgesehen davon, ist der Film angenehm unprätentiös, lakonisch, inszeniert. Die emotionale Kraft wird durch die Schauspieler, allen voran Andrzej Chyra, wuchtig und unausweichlich vorangetrieben. Man fiebert mit, hofft, dass es Adam gelingt, sich vor allem und allen anderen zu sich selbst zu bekennen. Damit geht der Film auch weit über das Thema Katholizismus und Sexualität hinaus. Die Geschichte von Adam wird zu einer Parabel auf die leider sehr allgemeine Schwierigkeit von mehr und mehr Menschen in der angeblich ach so zivilisierten Welt, sich selbst treu zu sein, die eigene Individualität ganz selbstverständlich zu leben. Völlig unaufdringlich weitet sich der Film zur vehementen Kapitalismuskritik.

Nichts davon aber drängt sich dem Zuschauer auf. Man darf eine starke, kraftvolle Geschichte genießen, die in klug komponierte Bilder gefasst ist und mit erfreulich wenig Dialogen auskommt.

Peter Claus

Im Namen des…, von Małgośka Szumowska (Polen 2013)

Bilder: Salzgeber

 

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