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Grace of Monaco

Regisseur Olivier Dahan hat mit „Piaf“ seine Lust an Glanz und Glamour bewiesen. Und auch, dass er bei allem äußeren Aufwand sehr wohl  genau auf das Innenleben der Protagonisten blickt.

Nach dem Spatz von Paris nun also Grace Kelly. Thema seines aus Realem und Fiktionalem zusammengesetzten Films ist deren endgültige Verwandlung in die Fürstin Gracia Patricia von Monaco. Nicole Kidman spielt die legendäre Frau. Und Kidman, dem Original durchaus ähnlich, versucht mehr als eben diese Ähnlichkeit auszuspielen. Hut ab!

Ja, die Erwartungen von Fans bunter Geschichten in bunten Zeitschriften werden durchaus bedient. Allerdings eher in Moll denn in kreischender Buntheit. Grace nämlich droht, so will es die Filmstory, Anfang der 1960er Jahre an den kulturellen Gegensätzen von den Vereinigetn Staaten und von Europa zu scheitern, obendrein an den sozialen, sie, die Tochter des millionenschweren Selfemademans hat einige Schwierigkeiten, sich in den höfischen Alltag einer der weltweit ältesten Monarchien einzufügen. Zudem ist da, nach einigen Ehejahren und zwei Geburten, doch auch immer noch der Wunsch, ins Filmstudio zurückzukehren. Was nicht nur den Gatten, Fürst Rainier III. (Tim Roth) verstört. Der Wunsch wird drängender, als Regisseur Alfred Hitchcock ihr die Hauptrolle in „Marnie“ anbietet. Zu allem Überfluss mischt auch noch die internationale Politik mit: Frankreichs Staatschef De Gaulle will Monaco, das Steuerfluchtland Nummer 1 für seine reichen Landsleute, in die Knie zwingen. Und er hat Paladine am Hof in Monaco.

grace-of-monaco-teaserDer Film wird im Vorspann als „fiktionales Werk, inspiriert von realen Ereignissen“ ausgewiesen. Damit ist klar: die Grenze zwischen Wirklichkeit und Phantasie ist fließend. Ein Biopic mit Anspruch auf Wahrhaftigkeit ist das nicht. Doch ein Film mit zahllosen Anspielungen, etwa darauf, dass Grace Kelly mit der Heirat mehr oder weniger gekauft wurde. War der Part der Fürstin von Monaco die größte und schwierigste Rolle der Schauspielerin? Das „Ja“ als Antwort auf diese Frage wird nie ausgesprochen, bestimmt jedoch die Erzählung erheblich. Kein Wunder, dass das Fürstenhaus, die Kinderschar von Grace und Rainier, den Film nicht sonderlich schätzt.

Exzellentes Schauspiel, optische Opulenz und durchaus feinsinnige Inszenierung sind bestechen. Doch zum Kino-Ereignis reicht’s nicht. Das liegt zum einen daran, dass die Story nicht phantasievoll genug ist, deren Überspitzungen letztlich zahm. Zum anderen liegt’s an dem Umstand, dass die Erzählung nicht wie aus einem Guss wirkt. Hier ein bisschen Psychothriller, da Agentenkrimi, dort Politdrama, dann wieder Beziehungskisten-Clinch – es werden viele Fäden gesponnen, die jedoch nicht reißfest zu einem Ganzen zusammengefügt werden.

Am Anfang sehen wir ein Ende: Grace Kelly absolviert einen letzten Drehtag in einem Hollywoodstudio. Und schon kommt die Fürstin Gracia Patricia zum Zug. Die Übergänge sind geschickt. Und Nicole Kidman, oft mit Schatten um die Augen, kommt überaus elegant über sämtliche Stolpersteine. Die Regie gesteht ihr erfreulicherweise auch Szenen ohne Geigen-Gewimmer zu. Da darf sie dann allein mit Gestik und Mimik die inneren Selbstfindungskämpfe der sich selbst fremd gewordenen Frau herausarbeiten, und das macht sie mit Verve, sei es in einem Moment, da sie heulend begreifen muss, völlig auf sich allein gestellt zu sein, sei es eine gewichtige Rede, mit der sie Staatsfeind De Gaulle in die Knie zwingt. (Ein Ereignis, das es in der Realität so nie gegeben hat.) Kidman macht ihre Sache wirklich gut. Dennoch: Eine über den Moment hinausgehendes Mitgefühl will sich nicht einstellen. Die Erzählung in Gänze wirkt dafür einfach zu konstruiert.

Einmal allerdings bibbert man mit Grace von Herzen mit, nämlich dann, wenn sie so richtig fies ihre Gegner (und die ihres Gatten, ja, Monacos an sich) mit ausgebuffter Fiesheit bei einem wichtigen Empfang (kurz vor Ende des Films) ausbootet. Es sind da zwei, drei giftige Blicke von Grace, mit denen Kidman – dazu ihr schönstes Lächeln aufbietend – kurz in menschliche Abgründe blicken lässt. Es fröstelt einen. Und man ahnt, dass es ein böses Märchen war, in das Grace Kelly durch die Annahme des Engagements in Monaco geschleudert wurde. Dem Film hätte des gut getan, mehr von dem Bösen zu zeigen. Aber auch so: gediegene Unterhaltung hübsch altmodischer Art, nicht allein für Leser von Illustrierten amüsant.

Peter Claus

Grace of Monaco, von Olivier Dahan  (Frankreich / USA / Belgien / Italien 2014)

Bilder: SquareOne/Universum

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