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Der Ausgangspunkt der Story ist irre: Frau wollte unbedingt eine Tochter, schenkte aber drei Söhnen das Leben, von denen sich einer so gar nicht für „Jungssachen“ (Fußball etc.) interessiert. Weshalb sie ihm schon als Kind das Etikett „schwul“ anklebt und ihn gleichsam als ihre Tochter erzieht. Was für das Kind, dann zum Manne gereift, einige Komplikationen bereit hält …

Schauspieler und Komiker Guillaume Gallienne spielt in seinem ersten von ihm selbst inszenierten Spielfilm sich selbst und auch seine Mutter. Eine Klamotte? Mitnichten. Zu bestaunen (und zu belachen!) ist ein hinreißend komische Film, dessen Witz aus Dramatischem erwächst, dessen Charme schlicht umwerfend ist. Wie Guillaume Gallienne selbst. Regisseur, Produzent sowie Autor des auf dem eigenen Theaterstück basierenden Drehbuchs und zweifacher Hauptdarsteller offeriert  eine Show der Superlative. Geradezu genialer Kniff: der Film suggeriert, dass wir einer Theateraufführung beiwohnen. Das erzeugt ein Gefühl von Künstlichkeit, wodurch ein Abrutschen ins Kitschige einer naturalistischen Überzeichnung vermieden wird.

maman-teaserGelegentlich blitzen mögliche Vorbilder von Guillaume Gallienne durch, insbesondere der im letzten November 85 Jahre alt gewordene Pierre Étaix, dessen surrealistische Farcen zum Schönsten des französischen Kinos der letzten Jahrzehnte gehören. Hier haben übrigens auch zwei deutsche Schauspieler pointierte Auftritte: Götz Otto als muskelstrotzende Kraftkanone und Diane Kruger im Part einer knallharten Helfershelferin bayerischer Brachialmedizin. Sehr ulkig.

Leider stimmt das Timing nicht durchweg. Gegen Ende gerät der Erzählfluss doch mehrfach ins Stocken. Wofür man allerdings mit einem herrlichen  Finale getröstet wird. Wie schon geschriebene: Sehr ulkig!

Peter Claus

Maman und ich, von Guillaume Gallienne (Frankreich 2014)

Bilder: Concorde