Die innere Zone (Fosco Dubini)

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Umweltzerstörung. – In der Regel geht es bei diesem Stichwort um Katastrophen in Wald und Flur, im Meer oder in der Luft. Dieser Film nun beleuchtet, welche Auswirkungen Umweltzerstörung auf die Entwicklung von Persönlichkeiten, auf Charaktere, haben kann.

Die von Jeanette Hain gespielte Psychologin Marta soll viele, viele Jahre nach einem Atomunfall (oder vielleicht auch einem Unfall anderer Art) unwegsames Gelände in den Bergen untersuchen. Dämpfe wabern aus dem Inneren des Planeten. Gefährliche Dämpfe? Marta jedenfalls verliert sich in einem Gespinst aus Wahn und Wirklichkeit. Wieso? Es ist ungewiss, ob die Frage noch rechtzeitig genug beantwortet werden kann, um Marta zu retten.

Jeanette Hain gehört zu den faszinierendsten deutschsprachigen Filmschauspielerinnen. Sie zeigt als Marta, wieder einmal, erinnert sei an ihre Glanzleistung vor drei Jahren in „Poll“, Größe. Sie schenkt Marta eine schön-geheimnisvolle Aura und sorgt damit für Spannung. Dieses „Rätsel Frau“ würde wohl jede und jeder im Kino gern lösen.

Fosco Dubini hat das Drehbuch gemeinsam mit seinem Bruder Donatello geschrieben. Donatello Dubini starb 2011. Fosco hat dann alleine inszeniert. Das Vorbild Andrej Tarkowski ist nicht zu übersehen – und auch zu übersehen ist nicht, wie weit Fosco Dubini von diesem legendären Regisseur und dessen Können entfernt ist. Hier wirkt die Geißelung von Umweltsünden mit philosophischer Science-Fiction aufgesetzt. Off-Kommentare muten wie dramaturgische Krücken an. Die Bilder allerdings fesseln. Sie atmen eine fast schon laszive Trägheit, eine gruselige Ungewissheit. Das ist von erheblichem Reiz.

Angeregt wurde der Film übrigens auch von einer realen Katastrophe: vor 45 Jahren, 1969, kam es zu einem damals öffentlich heruntergespielten Unglück im Kernkraftwerk Lucens in der Schweiz. Dieses Unglück gilt heute als eines der schwersten in einem europäischen Atomkraftwerk überhaupt.

Peter Claus

Bilder: © real fiction

Die innere Zone, von Fosco Dubini (Schweiz 2013)

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