Who Am I – Kein System ist sicher (Baran bo Odar)

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Baran bo Odar konnte mit seinem ersten abendfüllenden Spielfilm, der Romanverfilmung „Das letzte Schweigen“, einen beachtlichen Erfolg verbuchen. Er wies sich damit als kluger Arrangeur spannender Krimikost aus. Freilich: Das Buch hatte ihm eine Steilvorlage geliefert.

Nun also ein Thriller über Computer-Hacker. Das Gute zuerst: dem Regisseur ist es gelungen, ein raffiniertes optisches Konzept zu erarbeiten. Hier langweilen keine Typen an irgendwelchen technischen Maschinen. Die virtuellen Welten, in denen die Protagonisten ihr Unwesen treiben, werden geschickt ins Bild gerückt. Dazu agieren die Herren Hacker selbst in monströsen Situationen. Das ist von Reiz. Doch die Story, die Mittäter Benjamin (Tom Schilling) Hanne (Trine Dyrholm), Expertin who_320für Cyberkriminalität, erzählt, hat ein paar Macken zu viel, um durchgängig zu fesseln. Diese Story dreht sich um eine erst harmlose, dann gefährliche Hacker-Truppe, die schließlich den BND linken will und dadurch viel zu nah, gefährlich nah, an die russische Mafia gerät.

Das Problem: die Typen, die hier agieren, sind einem als Nicht-Hacker einfach nur egal. Es schert einen keinen Deut, ob sie unter die Räder kommen oder nicht. Was daran liegt, dass den Akteuren vom Drehbuch offenbar nur Charakterskizzen vorgegeben worden sind. Jeder Protagonist hat ein, zwei Auffälligkeiten, mehr nicht. Das ist zu wenig, um zu fesseln. Tom Schilling, Elyas M’Barek, Wotan Wilke Möhring und Antoine Monot jr. haben zu wenig darzustellen. Da entwickelt sich nichts. Hannah Herzsprung und Trine Dyrholm kommen gar kaum über Statistenauftritte hinaus. Bei ihnen, beide wunderbare Schauspielerinnen, wird’s dann gar peinlich.

Keine Frage: der Schweizer Baran bo Odar kann inszenieren, kann Bilder bauen, hat ein Gespür für Spannung. Beim Schreiben (er ist hier Ko-Autor des Drehbuchs) haperte es dieses Mal. Hoffentlich hat er beim nächsten Film wieder ein besseres Drehbuch als Ausgangsmaterial.

Peter Claus

Who Am I – Kein System ist sicher, von Baran bo Odar (Deutschland 2014)

Bilder: Sony

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