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Steven Spielbergs Filme haben alle etwas sehr Theatralisches. Bei der „Indiana Jones“-Reihe funktioniert das gut. Denn das Holzschnittartige der Erzählung entspricht perfekt dem Stil der Comic-Strip-Figuren. Für den Rückblick auf die Hochzeit des Kalten Krieges erweist sich die Spielbergsche Erzählhaltung jedoch als problematisch.

Opulent ist das, aber leider auch steril. Tom Hanks verkörpert einen Vorzeige-Demokrat, der alles daran setzt, Recht und Freiheit made in USA zu verteidigen. Gelegenheit dazu hat er reichlich, als er Ende der 1950er, Anfang der 60er Jahre als Jurist erst einen entlarvten Sowjet-Spion als Pflichtverteidiger vor Gericht vertritt, dann im Auftrag Washingtons als Unterhändler westliche Gefangene aus den Fängen des Ostens befreit. Hanks zeigt versiert, wie viel Mut es den Anwalt, den es wirklich gegeben hat, kostete, gegen die Selbstüberschätzung US-amerikanischer Saubermänner anzugehen. Das ist rührend. Wacker hält der Schauspielstar die Gutmenschen-Fahne hoch.

Und sonst? Hübsch schaut es sich an, wenn Ost- und West-Berlin zur Zeit des Mauerbaus im Bild erscheinen, pittoresk. Doch immer auch gemacht, kulissenhaft, nicht lebensprall. Erschwerend kommt dazu, dass die Charaktere sich nicht verändern, keine Entwicklung durchlaufen. Auch sie muten schematisch an, ausgedacht. Besonders arg: viele Szenen wirken, als habe Spielberg allein ein Publikum im Sinn, dass nicht imstande ist, selbständig zu denken. Da wird die Erzählung pusslig und zopfig abgespult, moralisieren die Dialoge im Übermaß, wird alles und jeder ausführlich erklärt. Gelegentlich wird’s sogar lächerlich, etwa dann, wenn die von Tom Hanks verkörperte Hauptfigur genau dann aus dem Fenster einer fahrenden Berliner S-Bahn schaut, wenn DDR-Flüchtlinge an der Mauer erschossen werden. Da wird überdeutlich mit der Wurst nach der Speckseite geworfen.

Peter Claus

Bilder: © Twentieth Century Fox

Bridge of Spies – Der Unterhändler, von Steven Spielberg    (USA 2015)

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