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Vor knapp einem halben Jahr kam mit „Kartoffelsalat – Nicht fragen!“ in Deutschland der erste Spielfilm von einheimischen YouTube-Stars in die Kinos. Ein Desaster. Nun also der zweite Versuch aus der gleichen Ecke. Was dazu gelernt? Leider kaum!

Protagonisten des Unternehmens sind „DieLochis“. Unter dem Kürzel arbeiten die 16-jährigen Zwillinge Heiko und Roman Lochmann. Sie konnten, laut Werbung zum Film, etwa 400 Millionen Aufrufe seit 2011 verbuchen. Das ist ein veritabler Erfolg. Etwa 1,6 Millionen Abonnenten haben sie, sagt die Promotion. Auch das ist enorm. Videos mit albernen Alltagsaugenblicken und süffigen Songs sind ihr Markenzeichen. Der eigene „YouTube“-Kanal also ist ein Hit, vor allem wohl bei sehr jungen Netz-Nutzerinnen und Nutzern. Die wollen die bumsfidelen Burschen nun auch ins Kino locken. Man wird sehen, ob’s klappt. Der Film sieht so aus, als ziele er vor allem auf junge Menschen mitten in der Pubertät ab, Leute, die schon Atemnot bekommen, wenn sie nur mal verschämt versuchen, das Wort „Sex“ durchzubuchstabieren.

Heiko und Roman Lochmann verkörpern ein Zwillingspaar. Das Paar plant ein erstes Live-Konzert. Und, klar: Bei der Vorbereitung läuft so einiges schief. Das vor allem deshalb, weil dem Bruderpaar die Hormone durcheinander geraten. Wofür allen voran ein Luder namens Jessy (Milena Tscharntke) sorgt. Die leibhaftig gewordene Ausgeburt einer angestaubten Altherrenphantasie sieht nicht nur so aus, sie benimmt sich auch so, wie es eine Blondine in einem Schmuddelwitz tut. „DieLochis“ geraten in Gefahr von dem Biest ins Abseits gekickt zu werden. Doch gemach: einer ihrer Songs heißt schließlich „Bruder vor Luder“. Damit ist wohl klar, wie die Klamotte endet.

Die Erwartung, dass 16-Jährige gegen das Gewohnte angehen, ja, vielleicht sogar rebellieren oder anarchisch sind, wird vollkommen enttäuscht. „Die Lochis“ servieren aufgewärmte Zoten von vorvorgestern. Dauerdurchfall, eine Erektion zur falschen Zeit und Fäkalsprache sollen zum Lachen animieren. Hat man sein Gehirn beim Betreten des Kinos nicht ausgeschaltet, stellt sich aber nichts als misslaunige Verwunderung darüber ein, wie prüde und spießig Teenager sein können, wie fad ein Spielfilm nach weit mehr als 100 Jahren Kino inszeniert werden kann, was für eine inhaltsleere und einfallslose Geschichte da flimmert.

Überraschung: Philipp Stölzl, der als Regisseur mit Kinospielfilmen wie „Nordwand“ und „Der Medicus“ Beachtliches herausgebracht hat, wird als „Creative Producer“ genannt. Was hat er hier nur kreiert? Man will einfach nicht glauben, dass er wirklich beteiligt war. Unglaublich auch, dass Kameramann Tomas Erhart als Co-Regisseur mit an Bord gewesen sein soll. Er war schon an manch Gutem beteiligt, wie an dem Konzertfilm „A Musical Journey in 3D“ und am Anti-Nazi-Drama „Der neunte Tag“. Man fasst es einfach nicht.

Peter Claus

Bilder: Constantin

Bruder vor Luder, von Heiko Lochmann, Roman Lochmann, Tomas Erhart (Deutschland 2015)

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