Hail, Caesar! (Regie: Ethan Coen, Joel Coen)

Hollywood-Spielfilme, die kritisch hinter die Kulissen der Traumfabrik blicken gibt es schon einige, sogar einige sehr gute. Billy Wilders „Boulevard der Dämmerung“, Robert Aldrichs „Große Lüge Lylah Clare“, Sidney Pollacks „The Way We Were“ sind zu nennen. Demnächst kommt „Trumbo“ dazu. Alles profunde Dramen. Auch Komödiantisches, das anzusehen lohnte, gab’s schon zum Thema, zuletzt, exzellent, „Birdman“. Vor 25 Jahren, einem Vierteljahrhundert, haben die Coen-Brüder mit „Barton Fink“ das Thema schon kräftig ausgeschlachtet, in einer wunderbar surrealistischen Farce.
Und nun? Nun haben sie die Stars George Clooney, Josh Brolin, Ralph Fiennes, Tatum Channing, Tilda Swinton und Scarlett Johannson und eine Handvoll Gags – aber sie haben keine Einfälle, nicht mal eine halbwegs handfeste Story. Da stellt sich ganz schnell Langeweile ein. Und wer das alte Hollywood liebt, ärgert sich gar. Denn derart schlecht getanzte und schlampig fotografierte Tanzszenen, wie die um Tatum Channing, oder ein so luschiges Wasserballett, wie Scarlett Johannson es anführt, wären in der Goldenen Ära Hollywoods nie ins Kino gekommen. Doch heute gilt nach wie vor, was schon damals galt: eine Parodie muss mindestens so gut sein wie das Original. Sonst funktioniert sie nicht.
Immerhin, eine Entdeckung gibt’s: Alden Ehrenreich. Der Jung-Star brilliert als singender Cowboy, den das Studio plötzlich als Charakterdarsteller vermarkten will. Das funktioniert. Auch deshalb, weil Ehrenreich die Figur mit glaubhaften Gefühlen ausstattet. Man spürt den Schlag eines echten Herzens. Alles drumherum ist blutleer und vollkommen uninteressant.

Peter Claus

© Universal Pictures

Heil, Caesar!, von Joel und Ethan Coen  (USA 2016)

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