Marge Piercey: Gone to Soldiers – Menschen im Krieg

Dieses Buch von Marge Piercey ist und war eines jener Wunder, mit denen ein kleiner Verlag all die Branchenriesen beschämt und uns Leser reich beschenkt. Welch eine Kraftanstrengung, welch eine verlegerische Vorbildtat war und ist jener tausend Seiten starke Meilenstein der Literatur vom Krieg, der 1995 im Argument Verlag erschien und nun gerade in der Argumente-Ariadne-Literaturbibliothek wieder aufgelegt wird. Elf Jahre recherchierte und schrieb die 1936 in Detroit geborene Feministin an diesem Roman, las ungeheure Mengen an Primärliteratur gegen den Strich, durchforstete Memoiren, Biographien und Berichte von Regierungsmitgliedern, Angehörigen von Geheimdienst- und Spezialeinheiten (OSS und SOE), KZ-Überlebenden, amerikanischen Generalen und Möchtegerngeneralen, von Marineinfanterie und ihren Einsätzen, dem Krieg im Pazifik und an der Westfront, forschte über die Résistance, die Rassenunruhen in Detroit, die Dechiffrierdienste in Washington, auf Hawaii und in England, über wagemutige Pilotinnen und Frauen im Widerstand. Eigentlich sollte auch Russland eine Rolle spielen, angesichts der sich abzeichnenden Monumentalität ihres Werks entschied sich die Autorin letztlich dagegen. Seit 1962 mit einem Computerwissenschaftler verheiratet, setzte sie das noch neue Arbeitsmittel Computer ein und legte eine Datenbank an, die dann achtmal umfangreich wurde als das Buch. Marge Piercy dazu: „Dieser Roman ist ein Werk der Phantasie, aber es war mein Bestreben, dass darin nichts geschieht, was zu der Zeit und an dem Ort nicht wirklich geschehen ist.“

So sind es keine Kunstfiguren, keine nur vage skizzierten Orte, Ereignisse und Konflikte, zu denen Marge Piercey uns in ihrem immer wieder atemberaubenden Panorama führt. Der Krieg aus der Sicht der Frauen – nein, der Menschen, wie der deutsche Titel zu Fug behauptet. Alltag und Sexualität, die kleinen und die großen Ängste und Hoffnungen, das ganze Humanum einer die Menschlichkeit bedrohenden Zeit haben Platz in diesem großen Buch. Ja, es hat viele Seiten (703 im 1987 erschienenen Original, 1000 in der Übersetzung von Heidi Zerning), aber so hat man noch nicht über Krieg und Widerstand gelesen.

Alf Mayer, zuerst erschienen auf Culturmag (17-05-2014)

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Marge Piercy:

Menschen im Krieg – Gone to Soldiers

Roman
Deutsch von Heidi Zerning
1000 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen

Argumente-Ariadne-Literaturbibliothek, Argument Verlag, Hamburg 2014

37 Euro

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